Helgoland hat in den vergangenen fünf Jahren die größten Veränderungen seit dem Wiederaufbau von 1952 bis 1965 erlebt.Erstmals seit 1826 konnte eine ganzjährige tägliche Schiffsanbindung mit wesentlich verbesserter Qualität etabliert werden. Die ehemals sehr kleinteilige und nicht mehr zukunftsfähige Anbieter-Struktur wandelt sich durch Kooperationen und Übernahmen zu integrierten professionellen Tourismusanbietern. Die Zusatzgewinne aus der Aufbauphase der Windparks wurden weitestgehend in die Modernisierung der Hotels und Apartmenthäuser investiert.Damit sind die Grundvoraussetzungen für eine ganzjährig attraktive Urlaubsinsel geschaffen, und die steigenden Gästezahlen spiegeln dies wieder. (links Herr Rickmers bei der Pressevorstellung in Hamburg)
2016 war das erste normale Tourismusjahr nach dem Offshore-Boom, und die neu entstandenen Strukturen zeigen die Möglichkeiten und Grenzen zukünftiger Entwicklungen auf. Ungeachtet der Verdrängungseffekte durch die hohe Nachfrage der Windpark-Erbauer aus den Jahren 2013 bis 2015 übertraf die touristische Nachfrage in der Zeit von April bis Oktober fast durchgehend das Angebot, und die Buchungen für den Winter entwickeln sich dynamisch.

Zwar brachte das Jahr 2016 einen Umsatzrückgang von mehr als vier Millionen Euro für die Vermieter durch reduzierte Offshore-Buchungen, aber es konnten etwa Dreiviertel dieses Rückgangs durch die Gewinnung neuer Urlauber aufgefangen werden. Insgesamt hat Helgoland 2016 fast 20 Prozent mehr Gästeanreisen zu verzeichnen. Besonders erfreulich ist, dass die touristischen Buchungen für das Winterhalbjahr 2016/17 gegenüber den Vorjahren weiter deutlich zunehmen.

Die Architektur der 50er und 60er Jahre auf Helgoland - Foto Elke Backert


Vieles deutet darauf hin, dass die Urlaubsinsel jetzt, fünfzig Jahre nach Abschluss des Wiederaufbaus, am Anfang ihres zweiten touristischen Lebenszyklus steht.

Problematisch bleibt einerseits die weitgehend denkmalrechtlich geschützte städtebauliche Struktur mit durchgängig kleinen Häusern und der räumlichen Trennung von Wohnen, Einkauf und Gastronomie sowie der Kur- und Wellness-Anlagen. Dies entspricht nicht den heute üblichen Erwartungen.
Zudem begünstigt es den Umbau zu Appartements, so dass heute mindestens 250 Hotelzimmer fehlen.

Zum anderen hat sich gezeigt, dass auch mit Offshore kein Wandel des demographischen Trends erreicht wurde. Die Insel hat etwa 1.400 Einwohner.
Davon sind etwa 500 fast ausschließlich Alleinlebende, die sich zur Erfüllung eines Arbeitsverhältnisses zeitlich begrenzt dort aufhalten und entsprechend häufig wechseln. Von den verbleibenden 900 Menschen sind mehr als 400 mindestens 65 Jahre alt oder deutlich älter.

Hotel Rickmers Insulaner (c) Stefan Greonveld


Es verbleiben rund 500 Einwohner unter 65 Jahren. Von denen leben viele zu großen Teilen des Jahres auf dem Festland. Die Zahl der Schüler in der Grund- und Gemeinschaftsschule ist von ehemals deutlich über 300 auf 70 zurückgegangen und sinkt weiter.

Dies bedeutet, die Helgoländer sterben aus und der Tourismusstandort muss für diese Entwicklung Antworten finden.

storytels – die Hotelkorporation, die Werte schafft
Die Helgoländer Hotellerie startet mit einer neuen Initiative in die touristische Zukunft:
„storytels – Hotels, die was erzählen“. Sie ist eine Korporation recht unterschiedlicher Hotels mit starker regionaler Verankerung. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie auf den lokalen Wurzeln basierend ihren Gästen während des Aufenthalts ganz „en passant“ eine Geschichte erzählen. storytels-Gäste erhalten so einen spannenden Zugang zur von ihnen gewählten Region und einen Wissensgewinn.

Das Hotel auf den Hummerklippen mit Ausblick von der Terrasse (c) Smilla Dankert


storytels versteht sich hierbei als Impulsgeber und Informationsvermittler. Damit soll für die Gäste neben der Erfüllung der jeweils erwarteten Ansprüche ein Zusatznutzen und Mehrwert und für das Hotel ein prägender Qualitätsvorteil geschaffen werden.

Für die Hoteliers bietet storytels die Möglichkeit, mit niedrigen Investitionen den eigenen Betrieb deutlich aufzuwerten und eine klare Positionierung mit neuen Vertriebsmöglichkeiten zu etablieren. Dadurch entsteht ein unmittelbarer Wertzuwachs auch für den Hotelier.
Das Konzept startet zum 1. April 2017 mit sechs Häusern auf Helgoland, ist aber offen für weitere Häuser in anderen Regionen.

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