Nach 17 Jahren an der Spitze verabschiedet sich Burkhard Kieker aus der Geschäftsführung von visitBerlin. Mit Dr. Jürgen Amann übernimmt ein erfahrener Destinationsmanager – doch die Herausforderungen für Berlins Tourismus bleiben groß.

visitBerlin‑Chef Burkhard Kieker tritt nach Erreichen der Altersgrenze ab. Seine Amtszeit war geprägt von starkem Wachstum, aber auch von Krisen, politischen Debatten und strukturellen Herausforderungen. Mit Dr. Jürgen Amann und Sabine Wendt übernimmt eine Doppelspitze, die Berlins Tourismus neu ausrichten muss – in einem Markt, der sich seit der Pandemie grundlegend verändert hat.

Ein Era geht zu Ende – mit Licht und Schatten

Burkhard Kieker führte visitBerlin seit 2009 durch eine Phase, in der Berlin zur europäischen Top‑Destination aufstieg. Die Übernachtungszahlen stiegen von 20 Millionen (2012) auf über 34 Millionen (2019). Doch die Erfolgskurve wurde mehrfach gebrochen:

  • Corona‑Einbruch 2020–2022
  • Stagnation im Kongressgeschäft
  • anhaltende Debatten um Overtourism und Stadtverträglichkeit
  • politische Diskussionen über Marketingbudgets und Prioritäten

Kiekers Bilanz bleibt positiv – aber nicht unkritisch. Die Frage, wie nachhaltig das Wachstum tatsächlich war, begleitet die Branche bis heute.

Burkhard Kieker (links), langjähriger Geschäftsführer von visitBerlin, sowie die künftige Doppelspitze Dr. Jürgen Amann (rechts) und Sabine Wendt (Mitte)

Politik lobt – aber Erwartungen sind hoch

Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey dankte Kieker für seinen Einsatz und betonte seine Rolle beim Aufbau der Marke Berlin. Gleichzeitig macht die Politik klar: Die neue Führung muss mehr liefern als Wachstum – nämlich ein Modell, das Tourismus, Stadtgesellschaft und Wirtschaft gleichermaßen berücksichtigt.

Neue Doppelspitze: Amann und Wendt übernehmen – mit unterschiedlichen Rollen

Seit 1. Juni 2026 führt Dr. Jürgen Amann visitBerlin gemeinsam mit Sabine Wendt, die bereits seit 2024 Geschäftsführerin ist.

  • Amann verantwortet Destinationsmarketing & Commercial
  • Wendt leitet Destinationsmanagement & Unternehmensentwicklung

Der Aufsichtsrat setzt damit auf eine Struktur, die Marketing und Management klar trennt – ein Modell, das in der Vergangenheit nicht immer friktionsfrei funktionierte.

Wer ist Dr. Jürgen Amann?

Der promovierte Wirtschaftsgeograph bringt langjährige Erfahrung aus Köln, Dresden und Ingolstadt mit. In Köln positionierte er die Stadt erfolgreich im internationalen Wettbewerb – allerdings mit deutlich kleineren Budgets und weniger politischer Komplexität als in Berlin.

Seine zentralen Aufgaben in Berlin:

  • die Marke Berlin nach Jahren der Unsicherheit neu schärfen
  • internationale Sichtbarkeit zurückgewinnen
  • nachhaltige und stadtverträgliche Tourismuskonzepte umsetzen
  • das Kongressgeschäft stabilisieren
  • die Zusammenarbeit mit Bezirken und Politik verbessern

Offene Fragen, die die Branche beschäftigen

Trotz der positiven Worte bleiben entscheidende Punkte ungeklärt:

  • Wie will visitBerlin den Spagat zwischen Wachstum und Stadtverträglichkeit lösen?
  • Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit künftig – über Marketing hinaus?
  • Wie reagiert die neue Führung auf steigende Kosten, Sicherheitsdebatten und Konkurrenz durch andere Metropolen?
  • Wird die Doppelspitze strategisch funktionieren oder zu Reibungen führen?

Die kommenden Monate werden zeigen, ob Amann und Wendt die nötigen Impulse setzen können.

Zitate

„Berlin gehört zu den spannendsten Metropolen der Welt. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit Sabine Wendt neue Akzente für den Tourismus- und Kongressstandort zu setzen.“ Dr. Jürgen Amann

Infobox: visitBerlin

Mission: „Die Welt für Berlin begeistern.“ Aufgaben: Destinationsmanagement, Tourismus‑ und Kongressmarketing, Produktentwicklung Besonderheiten:

  • Herausgeber der Berlin WelcomeCard
  • Betreiber der Berlin Tourist Infos
  • Offizielles Reiseportal: visitBerlin.de Fokus: nachhaltige, stadtverträgliche Tourismusangebote in allen zwölf Bezirken

Fazit

Der Führungswechsel bei visitBerlin markiert einen wichtigen Moment für die Hauptstadt. Nach Jahren des Wachstums und der Krisen braucht Berlin eine klare, moderne Tourismusstrategie. Die neue Doppelspitze steht vor der Aufgabe, Berlins internationale Strahlkraft zu stärken – ohne die Belastungsgrenzen der Stadt zu ignorieren.

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