Gemessen wird die Luftverschmutzung in PSI, dem Pollution Standards Index. Die Nationale Umweltbehörde gibt dazu eine Einstufung heraus, laut der ein Wert ab 100 “ungesund” ist, ab 200 “sehr ungesund” und ab 300 “gefährlich”. Heute um 11 Uhr lokale Zeit wurde das erste Mal ein Wert von über 400 PSI gemessen – fast eine Verdopplung des bisherigen Höchstwerts von 226 aus dem Jahr 1997. Die Regierung veröffentlicht mittlerweile stündlich neue Messergebnisse, um die Bevölkerung besser zu informieren. Atemmasken und Luftfilter sind weitestgehend vergriffen.
Seit knapp einer Woche zieht dichter Rauch über die 5,3-Millionen-Stadt zwischen Malaysia und Indonesien. Sie gilt als sauber, sicher und wohlhabend; ist das finanzielle Herz Süd-Ost-Asiens und hat weltweit das dritt höchste Bruttoinlandsprodukt pro Kopf. Doch was derzeit passiert, scheint sich jeder Kontrolle zu entziehen. Menschen berichten von brennenden Augen und Atembeschwerden. Die Regierung gibt Warnungen heraus, dass vor allem Rentner und Kinder nicht auf die Straße gehen sollten. In dem noch schlimmer betroffenen Malaysia wurden inzwischen über 200 Schulen geschlossen.

Ursache für die Situation sind illegale Brandrodungen auf der Indonesischen Insel Sumatra.

Das heute morgen vom Meteorologischen Dienst Singapurs veröffentlichte Bild zeigt über 370 Brandherde auf Sumatra, deren Rauch in Richtung Malaysia und Singapur (pink eingekreist) zieht.

Die Singapurischen Behörden versuchen zusammen mit Malaysia politisch gegen das Problem vorzugehen, wirken derzeit aber machtlos. Indonesien gibt den beiden Ländern eine Mitschuld an der Situation, da die Brände auf Feldern von Palmöl-Unternehmen stattfinden, die sie angeblich kontrollieren. Das wiederum ist laut Premierminister Lee Hsien Loong ob der Größenordnung der Brände unwahrscheinlich; er will jedoch gegen etwaige beteiligte Firmen vorgehen. Indonesien erwägt, zur Bekämpfung künstliche Regenwolken zu erzeugen.

Es kommt häufig um diese Jahreszeit zu Brandrodungen durch Bauern, um Land günstig für die nächste Ernte vorzubereiten. Das ist zwar illegal, doch scheitern die indonesischen Behörden daran, die Brände zu verhindern.

Die Zustände könnten laut Lee Hsien Loong noch Wochen anhalten. Reisenden sollte von einem Besuch abgeraten werden.

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