Von Elke Backert
Als „Wunder des Abendlandes“ und „Pyramide im Meer“ (Victor Hugo) erhebt sich seit über 1300 Jahren der Mont St.-Michel mit einem Durchmesser von knapp einem Kilometer 80 Meter hoch über der Atlantikküste, eine der Hauptattraktionen Frankreichs.
Seit 2006 läuft ein einzigartiges Renaturierungsprojekt: Der Mont Saint Michel, Teil des Unesco-Welterbes, soll 2015 wieder sanft von Meerwasser umspült werden. Mit gemütlichen Watt-Wanderungen wird es dann vorerst vorbei sein.
„Es ist fünf vor zwölf für den Mont St. Michel“, erklärt eine Fremdenführerin. Immerhin rund 300 Arbeitsplätze schafft das Wahrzeichen, dank der reisefreudigen Japaner und Chinesen gibt es hier in der Normandie mittlerweile keine „Saison“ mehr, die Reisenden kommen das ganze Jahr über. Rund 164 Millionen Euro ist für das Renaturierungs-Großprojekt veranschlagt, bei dem die Versandung um die weltberühmte Benediktinerabtei gestoppt werden soll. Ursprünglich war die Insel von der Küste aus nur bei Niedrigwasser erreichbar, weshalb Ende des 19. Jahrhunderts ein Damm gebaut wurde. Dieser Straßen-Damm soll durch die Umbauarbeiten künftig überflüssig werden. 2009 wurde an der Mündung des Flusses Couesnon ein Staudamm errichtet. Die Stauanlage dient ebenfalls als Aussichtsplattform auf die Bucht und den Glaubensberg. Seit der Eröffnung hat sich die Plattform zu einem neuen Besuchermagneten und beliebten Fotostopp entwickelt. Neben dem Ausblick auf den Glaubensberg und die Bucht kann man auch Einblicke in die Funktionsweise der Anlage erhalten – besonders interessant bei auflaufendem Wasser. Die Stauanlage wird zur Entsandung der Bucht maßgeblich beitragen, da die Sandpartikel mit hohem Druck zurück ins Meer geschwemmt werden. Experten gehen davon aus, dass innerhalb von zehn Jahren 80 Prozent der Sedimente allein durch die hydraulische Kraft des Flusses aus der Bucht geschwemmt werden. Langfristig wird sich somit der Wasserstand in der Bucht um rund 70 Zentimeter erhöhen. Infolgedessen wäre der „Mont“ wieder eine richtige Insel. Es klingt wenig elegant, aber das Prinzip funktioniert wie eine Toilettenspülung: Bei Sperre des Damms bei Flut wird Meerwasser in den Fluss gelassen, das bei Ebbe mit hohem Druck wieder abgelassen wird und Sand und Sedimente aus der Bucht tragen soll.
2013 soll auch der jetzige Damm durch eine Stelzenbrücke ersetzt werden. Ab 28. April 2012 sind die inselnahen Parkplätze entfernt.
Langfristig soll sich der Wasserstand der Bucht um das Kloster um rund 70 Zentimeter erhöhen – der Mont St. Michel wird dann wieder im Wasser stehen. Und vielleicht werden die Besucher dann wieder wie einst Victor Hugo staunen, er beschrieb die Geschwindigkeit der Fluten so: „…mit der Schnelligkeit eines Pferdes im Galopp“, das Wasser kommt mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu einem Meter pro Sekunde, der Tidenhub liegt bei bis zu 14 Metern. Die Bauarbeiten für die Renaturierung werden, selbst wenn sie sich verzögern, mit vergleichsweise geradezu atemberaubender Geschwindigkeit vollzogen: Die Gebäude auf dem Glaubensberg, das „Wunder des Abendlandes“, wurden erst 800 Jahre nach Baubeginn fertiggestellt.
Um zum Glaubensberg zu gelangen, muss man ab dem 28. April 2012 ungefähr 750 Meter zu Fuß vom Parkplatz zu dem Abfahrtspunkt des Pendelverkehrs gehen. Folgende Transportmittel stehen ab dort zur Verfügung: Pendelbus “Le Passeur” (im Parkplatzpreis inkl.), Pferdekutsche “La Maringote” (Hin- u. Rückfahrt: 6,50 €, Einzelfahrt: 4 €)
Alternativ kann man zu Fuß zum Mont-Saint-Michel laufen, eine gute halbe Stunde für die Strecke von ca. 2,5 Kilometern zwischen dem neuen Parkplatz und dem Glaubensberg einplanen. Wichtiger Hinweis: Ab dem 28. April 2012 ca. 1 1/4 Stunden mehr Zeit für Hin- und Rückweg vom neuen Parkplatz auf dem Festland zum Mont-Saint-Michel einplanen, wenn man den Pendelbus nutzen möchte.
Info: www.accueilmontsaintmichel.com, www.projetmontsaintmichel.org, Atout France in Frankfurt/M., info.de@france-guide.com, www.franceguide.com
Die Fotos von Elke Backert werden bald der Vergangenheit angehören.



