von Bernd Stößel
Florenz und Venedig sind einmalig – doch das „wahre“ Italien findet sich abseits der großen Touristenrouten, quasi im Verborgenen. Diese Idee stand im Jahr 2001 Pate, als die Vereinigung „I Borghi più belli d´Italia“ – „Die schönsten Dörfer Italiens“ aus der Taufe gehoben wurde. Der Zusammenschluss, dem heute 200 Orte angehören, stellte sich nun in Frankfurt im Rahmen einer Veranstaltung der Italienischen Zentrale für Tourismus ENIT vor. Wie der „Borghi“-Vorsitzende Fiorello Primi ausführte, durchlaufen Bewerber ein strenges Zertifizierungsverfahren – nicht weniger als 100 Parameter werden geprüft. Und das Interesse ist groß: Aktuell begehren 300 weitere Orte Einlass in den exklusiven Club.
Authentisch und unverwechselbar italienisch, so lautet die Kernanforderung. Oder in den Worten Fiorello Primis: das gewisse Etwas, das „nicht einmal die Chinesen nachmachen können.“ Gedacht ist dabei keineswegs nur an eine internationale Kundschaft – etwa die oft anspruchsvollen deutschen Touristen – sondern auch an die Einheimischen: „Die Italiener sollen Italien besser kennen lernen.“ Mit den „Borghi“ soll mehr Lebensqualität geschaffen, sollen junge Leute vom Abwandern aus ihren Heimatorten abgehalten werden – am besten dadurch, dass im Tourismus neue Arbeitsplätze geschaffen werden.
Das Spektrum der Dörfer – die Größe der Mitglieder reicht von 15.000 Einwohnern bis zum Weiler mit 192 Seelen – ist breit angelegt, Vielfalt wird groß geschrieben: Die einen liegen in den Bergen, die anderen am Meer, das eine Dorf ist mittelalterlich geprägt, das nächste von der Landwirtschaft. Während die meisten der 200 „Borghi“ in Mittel-Italien angesiedelt sind, sollen künftig vermehrt der Norden und der Süden vertreten sein.
Ein wichtiges Anliegen besteht darin, den Tourismus zu „desaisonalisieren“, sprich, ganzjährig zu ermöglichen. In etwa 90% der Fälle gelingt dies auch. Übrigens sind bewusst nicht alle „Borghi“ bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen – Fiorello Primi hält die entlegenen Dörfer sogar für besonders reizvoll. Auf jeden Fall kommt die Idee an: 2009 wurden über 7,5 Millionen Besucher in den 200 Orten mit einer Gesamteinwohnerzahl von rund 700.000 gezählt.
Website: http://www.borghitalia.it (italienisch und englisch)

