von Redaktion, BDF, aero.de

 

engelDeutschland muss Schluss machen mit der Kleinstaaterei in der Flughafenplanung. Zu diesem Schluss kommt Dr. Michael Engel, Geschäftsführender Vorstand des Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften (BDF). In einem Gastbeitrag kommentiert Dr. Engel die aktuelle Entwicklung der deutschen Regionalflughafenlandschaft:

 

Deutschland ist Europas führende Wirtschaftsnation und bedeutender Tourismusstandort. In der Art und Weise, wie Deutschland seine Ressourcen für den so wichtigen Standortfaktor Luftverkehr verwendet, ist Deutschland allerdings kein Vorbild für die Welt. Der Hickhack um den Flughafen Hahn und seinen Kunden Ryanair hat dies zu Anfang des Jahres sehr deutlich gemacht.

 

Die Geschichte klingt nach dem Klagelied „Befreie mich von den Geistern, die ich rief!“. Flughäfen wie Hahn, die günstige Flughafengebühren unter Kosten berechnen, gehören zum Geschäftsmodell von Ryanair. Allerdings: So günstig, wie Ryanair sie verlangt, können Flughafengebühren nur sein, wenn die Kosten des Flughafens massiv und dauerhaft subventioniert werden. So vernünftig der Versuch der Anteilseigner Hessen und Fraport war, diese Dauerbezuschussung zu beenden, so brutal hat Ryanair dem dritten Anteilseigner Rheinland-Pfalz klar gemacht, wer Herr im Hause ist.

 

Das Land will jetzt sein Heil in der kompletten Rückverstaatlichung von Hahn suchen. Für Hahn würde dies in Zukunft bedeuten, dass der Steuerzahler von Rheinland-Pfalz für die Defizite des Flughafens aufkommen muss und damit die einzige Fluggesellschaft – Ryanair – dauerhaft subventionieren. Denn die Aussage „Hahn wird auf absehbare Zeit Verluste schreiben“ ist falsch. Hahn wird bei dieser Konstellation auf unabsehbare Zeit Verluste schreiben und damit weit über einhundert Millionen Euro an Steuergeldern verschlingen.

 

Der Versuch, neben Ryanair weitere Airlines nach Hahn zu holen, um die Alleinstellung von Ryanair zu brechen und die Wirtschaftlichkeit des Flughafens zu verbessern, wird scheitern. Zum einen sollte die Erpressungskompetenz des Billigfliegers mittlerweile weithin bekannt sein und zum anderen existiert in der strukturschwachen Region nicht die entsprechende Nachfrage, um weitere Fluggesellschaften an Hahn zu binden. Doch dieser Flughafen ist kein Einzelfall.

 

Auch an anderen Standorten wie Altenburg, Lübeck oder Weeze werden die wirtschaftlichen Voraussetzungen für einen dauerhaft wirtschaftlichen Betrieb eines Flughafens ignoriert. Selbst dort begibt man sich offenen Auges in die Hände vermeintlich selig machender Anbieter wie Ryanair.
ryanair
Diese „Koste es, was es wolle“-Politik hat schließlich weitere Konsequenzen. In der Erkenntnis, dass das eigene Einzugsgebiet nicht nachhaltig genug ist, entsteht ein Subventionswettlauf zwischen benachbarten Flughäfen, um eine Fluggesellschaft zum Anfliegen des jeweiligen Flughafens zu bewegen. Dieser Subventionswettlauf drückt sich in niedrigen Landegebühren unter den tatsächlichen Kosten und in sogenannten Marketingzuschüssen für neue Flugverbindungen aus.

 

Wenn aber Steuergelder einen Flughafen auf Dauer subventionieren und diese Subventionen durchgereicht werden an die Nutzer (hier: Ryanair), dann ist das auch eine unzulässige Wettbewerbsverzerrung zu Lasten der Airlines, die an anderen Flughäfen kostendeckende Gebühren bezahlen müssen. Die Geschichte Hahn zeigt, wie überfällig in Deutschland eine stärkere koordinierende Rolle des Bundes in der Flughafenplanung und somit die Verabschiedung des seit langem in der Beratung befindlichen Flughafenkonzepts der Bundesregierung ist.

 

Jeder Kilometer Autobahn, jeder Schienenweg und jede Wasserstraße wird in Deutschland zentral geplant und unter gesamtwirtschaftlichen Gesichtspunkten bewertet. Ressourcen werden so nach Effizienzkriterien eingesetzt und der volkswirtschaftlich sinnvollsten Verwendung zugeführt. Diese Grundprinzipien müssen auch bei der Bereitstellung der Flughafeninfrastruktur stärkere Beachtung finden – zumindest muss dem Bund eine stärkere koordinierende Rolle zugestanden werden.

 

Deutschland braucht eine bundesländerübergreifend koordinierte Strategie zur nachfragegerechten Entwicklung der Flughafeninfrastruktur, damit der Standortfaktor Luftverkehr weiterhin seinen aktiven Beitrag zur Beschäftigungssicherung und wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands leisten kann.

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