In 2008 erreichten die internationalen Ankünfte von Touristen 924 Millionen, 16 Millionen mehr als in 2007. Das enspricht einem Wachstum von 2%.
Die Nachfrage bei Touristen verringerte sich im Laufe des Jahres wesentlich unter dem Einfluss einer extrem unbeständigen Weltwirtschaft (Finanzkrise, Anstiege in Rohstoff- und Ölpreisen, starke Fluktuationen in Wechselkursen), die das Vertrauen von Kunden und Unternehmen unterminierte und zu der globalen wirtschaftlichen Rezession führte.
Die zweite Hälfte von 2008 sah das Wachstum zum Stillstand kommen und die Anzahl internationaler Ankünfte leicht sinken – eine Tendenz, von der erwartet wird, dass sie in 2009 andauern wird.

 

Schwächung der allgemeinen Nachfrage
Das zweiprozentige Gesamtwachstum im internationalen Tourismus in 2008 basiert auf den starken Ergebnissen des ersten Jahresabschnitts vor dem Einsturz der Finanzmärkte. In der zweiten Hälfte des Jahres war ein abrupter Trendumschwung zu beobachten, demzufolge Touristenankünfte in jedem der letzten sechs Monate von 2008 entweder kein oder negatives Wachstum aufwiesen. Insgesamt wich das 5-prozentige Wachstum zwischen Januar und Juni einem Rückgang von 1% in der zweiten Jahreshälfte. Zwar war der Tourismus gewiss nicht immun gegen die wirtschaftlichen Leiden, doch er hat der wirtschaftlichen Rezession zu Anfang besser getrotzt als andere Wirtschaftssektoren wie zum Beispiel das Baugewerbe, der Immobilienhandel oder die Automobilherstellung.

 

Da das derzeitige geplagte wirtschaftliche Szenario bis weit ins Jahr 2009 hinein andauern soll, deuten die ersten Prognosen der UNWTO für dieses Jahr auf eine sogar noch bescheidenere Leistung hin. Laut der Ausgabe des UNWTO World Tourism Barometer von Januar 2009 wird erwartet, dass der Tourismus über das Jahr stagnieren oder sogar leicht zurückgehen wird. Doch es besteht noch immer ein hohes Maß an Unsicherheit, und vieles wird von den Entwicklungen der wirtschaftlichen Umstände abhängen. Sollte die Wirtschaft Anzeichen einer zügigeren Erholung aufweisen, könnte der Tourismus in 2009 leicht zunehmen – falls die Wirtschaft sich jedoch weiter verschlechtert, könnten die derzeitigen Prognosen nach unten hin angeglichen werden.

 

Angesichts der weltweiten Ungewissheit und wiederholter Anpassungen wirtschaftlicher Prognosen nach unten wird die UNWTO die Entwicklungen aufmerksam beobachten, um eine möglichst genaue Analyse liefern zu können.

 

Variierende Ergebnisse nach Region in 2008
Für das gesamte Jahr verzeichneten fast alle Regionen positive Ergebnisse. Die Ausnahme bildet Europa, das eine Stagnation bei den Ankünften hinnehmen musste. Die besten Ergebnisse wurden im Mittleren Osten (+11%), in Afrika (+5%) und in Nord-, Mittel- und Südamerika (+4%) beobachtet – im Falle der Amerikas dank des hohen Verkehrs in die USA bis August und der positiven Leistung der meisten zentral- und südamerikanischen Destinationen.

 

Negatives Wachstum gab es in den letzten sechs Monaten des Jahres 2008 in Europa (-3%) und Asien (-3%). Der Rückgang ist umso bedeutender in Asien, wenn man das dortige zweistellige Wachstum von 2007 und die starke Leistung im ersten Teil von 2008 (+6%) berücksichtigt. Nord-, Mittel- und Südamerika (+1%), Afrika (+4%) und der Mittlere Osten (+5%) jedoch zeigten weiterhin positive Resultate in der zweiten Jahreshälfte, wenn auch nach wesentlichem Rückgang verglichen mit dem Zeitraum zwischen Januar und Juni.

 

Trotz der allgemeinen Abbremsung zeigten mehrere Destinationen auf der ganzen Welt in 2008 sehr positive Resultate – besonders Honduras, Nicaragua, Panama, Uruguay, die Republik Korea, Macau (China), Indonesien, Indien, Ägypten, Libanon, Jordan, Marokko und die Türkei.

 

Diese Ergebnisse spiegeln lediglich internationale Ankünfte von Touristen wider, da hierfür momentan ausführliche Daten vorhanden sind. Für den domestischen Tourismus, der für viele Destinationen von höchster Bedeutung ist, erwartet die UNWTO eine mehr oder weniger ähnliche Tendenz zur Verlangsamung. Ergebnisse für internationale Einkünfte im Tourismus werden zu einem späteren Zeitpunkt präsentiert werden. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen jedoch, dass das Wachstum der Einnahmen dazu neigt, sehr eng dem Beispiel der Ankünfte zu folgen.

 

Prognosen für 2009 in Verbindung zum globalen wirtschaftlichen Ergebnis
Der Rückgang in den fortgeschrittenen Wirtschaften, die zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg einem Abschwung im Bruttosozialprodukt entgegensehen, greift bereits auf wichtige Entwicklungsmärkte wie China, Indien und Brasilien über.

 

Die UNWTO erwartet, dass der internationale Tourismus in 2009 einen Rückgang von zwischen 0% bis 2% erleben wird. Europa wird zusammen mit Nord-, Mittel- und Südamerika die am stärksten betroffene Region in Bezug auf Gesamtergebnisse im Tourismus sein, da die meisten seiner Quellmärkte sich bereits in Rezession oder auf dem Weg dorthin befinden. Im Asien-Pazifik-Raum erwartet man positive Resultate, obwohl das Wachstum im Vergleich zu der Leistung aus früheren Jahren weit langsamer ausfallen wird; dies gilt ebenso für Afrika und den Mittleren Osten.

 

Ungeachtet dieser Einschätzung hebt die UNWTO die Tatsache hervor, dass die Schwächung des internationalen Tourismus auf vier historisch starke Jahre folgt:

 

o durchschnittlich +7% pro Jahr zwischen 2004 und 2007, oder weit über dem Langzeittrend von 4%;
o 2008, mit einem Anstieg von 2% basierend auf einer starken Leistung im ersten Halbjahr.

 

Die Antwort der UNWTO
Die Geschichte beweist, dass Krisen auch Möglichkeiten schaffen können, da sie nach beträchtlichen Bemühungen und Branchensolidarität verlangen. Tatsächlich könnte die Branchenintegrität insgesamt gestärkt werden, falls kurzfristige Krisenmaßnahmen mit den fortlaufenden langfristigen Anforderungen bezüglich weltweiter Armut und Klimaschutz in Einklang gebracht werden können.

 

Vor diesem Hintergrund vermehrt die UNWTO ihre Bemühungen, den Sektor, und speziell seine Mitglieder, mit der nötigen Unterstützung zu versorgen, um diese schwierigen Zeiten zu überwinden.

 

Die UNWTO wird sich auf drei zusammenhängende Initiativen konzentrieren:

 

o Untersützung der unmittelbaren Maßnahmen des Sektors mithilfe ihres kürzlich gegründeten Tourism Resilience Committee, um die Marktinformationsbeschaffung und die Weitergabe bewährter Methoden zu fördern
o Einsatz für vorrangige Einbindung des Tourismus in allgemeine wirtschaftliche Stimulationspakete
o Förderung des Tourismus in der neuen Grünen Wirtschaft als Sektor, der seinen Teil für kleveres Wachstum, intelligente Infrastruktur und Jobs durch saubere Energie tun kann

 

Ihre Nachricht wird weiterhin sein, dass dies ein höchst widerstandsfähiger Sektor ist, der zu starkem Wachstum zurückkehren wird, wenn die allgemeine Wirtschaftskrise abebbt, und ein Sektor, der mehr als andere zur Bekämpfung der Armut, der Schonung der Umwelt und einem Grünen New Deal beitragen kann.

 

Das vollständige Barometer kann unter http://www.unwto.org/UNWTOBarometer09.pdf heruntergeladen werden.

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