von Joachim Fischer, Gran Melia, Shanghai

Die Fachwelt lächelt – der Laie wundert sich – der Regierende schweigt: Da wird in Berlin ein traditioneller Flughafen geschlossen und ein neuer internationaler Airport vor den Toren der Stadt für Milliarden an Euro gebaut.

Alle freuen sich auf den neuen Flughafen, dabei werden so kleine Nebensächlichkeiten wie mehr internationale Flüge, Lärmschutz, eine entsprechende Verkehrsanbindung, Probleme mit der ILA schon ein wenig beiseite gedrängt.

Dabei sieht es bei vielen Großprojekten in Berlin nicht gerade rosig aus. Kommt das Riesenrad oder kommt es nicht? Werden alle neuen und geplanten Hotels im Fünf-Sterne-Bereich gebaut, abgespeckt oder ganz gestrichen? Fragen über Fragen in der Bundeshauptstadt, die meist nur hinter vorgehaltener Hand besprochen werden.

Aber es gibt auch Firmen, die Berlin fördern wollen und in der Stadt eine Zukunft sehen. Ob es denn die Seilbahn zwischen City West und Potsdamer Platz geben muss oder soll, oder ob es sich einfach nur um eine kreative Idee handelt, werden wir in der Zukunft sehen.

Dabei versucht eine international erfolgreiche Airline Berlin mit der Welt und bis jetzt nicht oder nur wenig vorhandene internationale Flugstrecken mit der Bundeshauptstadt zu verbinden. Zur Zeit kann man zwar mit Hainan Airlines nonstop von Berlin direkt nach Peking fliegen, aber in Richtung Westen oder in die Finanzmetropolen nach Arabien sieht es schlecht aus.

Emirates Airlines will das ändern und versucht schon seit einiger Zeit Landerechte in Berlin und Hamburg zu bekommen. Das derzeitige Luftfahrtabkommen erlaubt den Arabern nur Flüge zu vier Zielorten und ist mit den Diensten nach Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg ausgefüllt. Emirates sieht aber als eines der wenigen internationalen Unternehmen eine Zukunft in der Berliner Region und möchte daher auch nach Berlin fliegen. Eine der großen Städte in Europa, die noch über keinen direkten Anschluß nach Dubai verfügen.

Der Emirates Präsident Tim Clark versucht nun, in direkten Gesprächen mit den zuständigen Ministern im Wirtschafts-, Außen- und Verkehrsministerium eine bessere Behandlung seiner Fluggesellschaft zu bekommen.

Zur Zeit behindere, so Clark, eine aktive Ablehnung der deutschen Lufthansa die Schaffung einer direkten Anbindung von Berlin nach Dubai. Diese neue Anbindung würde nicht nur dem neuen Airport sondern auch vielen anderen Unternehmen gut tun. Nicht nur arabische Investoren, auch europäische Business Traveller wollen aus Zeitgründen Nonstop-Flüge. Eine neue Verbindung Berlin–Dubai würde zum Beispiel auch den Medical Tourismus fördern und für Hotels, Restaurants und Einzelhandel viele shoppingfreudige Araber nach Berlin bringen.

Es gibt aber auch noch andere globale Airlines, die den Wunsch haben, Berlin in ihr Streckennetz einzubinden. Eine Aufgabe, die besonders die Verantwortlichen des neuen Flughafens anspornen muss. Ein Flughafen ist kein alleinstehendes Gebäude, sondern ein Tor zu einer weiten globalen Welt, das in beide Richtungen offen sein muss. Für Ankommende und abfliegende Reisende.

Wie wichtig ein Flughafen mit internationalen Direktverbindungen ist, zeigen zum Bespiel die immer wieder neu aufflammenden Diskussionen in der Tourismusindustrie über den Standort der für Berlin wichtigen Messe ITB. Fast 75% der internationalen Besucher müssen in Frankfurt oder anderswo umsteigen, um nach Berlin zu kommen. Das ist nicht nur mit Zeitverlust, sondern auch mit Unbequemlichkeiten verbunden.

Ein neuer Flughafen mit neuen internationalen Verbindungen könnte ein neuer Motor für die gesamte Wirtschaft in der Berliner Region werden.

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