Das Steigenberger Grandhotel and Spa veranstaltete den fünften Touristiker Talk in Folge. Das Thema des diesjährigen Talks war „Internationalisierung der Destination Usedom – Gewinnen oder verlieren wir Gäste in der globalisierten Welt?“.
Der Hoteldirektor des Steigenberger Grandhotel and Spa, Rolf Haug, eröffnete den diesjährigen Talk, da das Resorthotel auf den Tag genau vor drei Jahren eröffnet worden ist und somit sein dreijähriges Bestehen feierte.
Nach der Vorstellung der Podiumsgäste Anke Michels (Director of Sales MICE, Steigenberger Hotel Group), Elisabeth Hiltermann (Geschäftsführerin, Kohl & Partner München), Werner Kreis (Managing Director, Meeting Consult International), Michael Gericke (Geschäftsführer, Historisch-Technisches Museum (HTM) Peenemünde) und Tobias Woitendorf (Stellv. Geschäftsführer des Tourismusverbandes MV) übergab Rolf Haug das Wort an den Moderator Maik Wittenbecher (Redakteur im ARD-Hauptstadtstudio).
Mit einem Diskussionsimpuls von Werner Kreis, in dem er die Attraktivität von Peenemünde darlegte, begann der Talk. Aus globaler Sicht – vor allem in den USA und Asien – ist der geschichtsträchtige Ort Peenemünde bekannter als die Destination Usedom. Aus diesem Grund empfiehlt er einen nachhaltigen Aufbau der Marke Peenemünde sowie die Erstellung eines kurzen, prägnanten Imagefilms, so Werner Kreis.
Bei dem anschließenden Impuls von Anke Michels erläuterte sie den rund 70 Zuhörern wichtige Definitionen, Fakten und Trends der MICE-Branche. Neben der Tatsache, dass 90 % der Veranstaltungen in Deutschland auch von deutschen Unternehmen durchgeführt werden, ist eine moderne Infrastruktur der Destination für die Wettbewerbsfähigkeit von enormer Bedeutung. Die Anbieter der Insel müssten mit den Unternehmensrichtlinien und Anforderungen von Tagungsplanern vertraut sein, um als attraktive Destination für Tagungen, Meetings etc. wahrgenommen zu werden. Zu nennen seien hier die Punkte Nutzung neuer Medien, Schnelligkeit, Nachhaltigkeit, Mehrsprachigkeit, Kostenbewusstsein, Erreichbarkeit sowie Freizeit- und Erlebnisangebote. Ein ausschlaggebendes Kriterium ist der ca. 200 km Radius für die Anfahrtszeit, die für Unternehmen sehr wichtig sei, was die Zielmärkte für Usedom in punkto MICE sehr beschränkt. Für die Außenwerbung ist eine ansprechende, emotionale Kommunikation mit Nennung der entscheidenden Fakten notwendig.
Usedom sollte verstärkt die deutsch-polnische Zusammenarbeit nutzen sowie sich auf ausgewählte Märkte mit gebündelten Marketingaktivitäten konzentrieren.
Werner Kreis bestärkte seine Meinung, dass Peenemünde im internationalen Kontext das Alleinstellungsmerkmal der Insel ist und somit ein Produkt widerspiegelt, welches im Gegensatz zur Insel mit Natur, Strand und Meer nicht kopierbar ist. Wenn man sich heute auf den Aufbau der Marke Peenemünde konzentriert, dann dauert es zwei bis drei Jahre, bis sich die Marke etabliert hat.
Elisabeth Hiltermann entgegnete dieser Meinung, dass Peenemünde ein Leuchtturm der Insel Usedom darstellt, der Fokus für die Deutschen jedoch auf die Insel gerichtet ist. Des Weiteren ist es wichtig, die Potenziale für diese Insel zu beleuchten und darauf aufzubauen sowie verbesserungswürdige Aspekte zu analysieren und zu stärken, wie z. B. den Flughafen Heringsdorf sowie das Bahnnetz.
Michael Gericke wies zusätzlich daraufhin, dass das HTM Peenemünde als Bestandteil der Insel zu sehen ist und nicht isoliert werden darf. Die Insel muss Synergien nutzen und ein gemeinsames Konzept entwickeln, um die Destination Usedom globaler in punkto MICE zu positionieren. Das HTM Peenemünde hat einen Anteil an ausländischen Gästen von 15 %. Eine Zielgruppe sind Gruppen aus dem Raum Hamburg und Berlin, die Tagesausflüge nach Peenemünde unternehmen.
Tobias Woitendorf ergriff das Wort im Anschluss und verdeutlichte, dass lediglich 30 bis 40 % der Tagungen für das Land Mecklenburg-Vorpommern als lukrativ anzusehen sind und dass die Insel Usedom bei den Übernachtungen mit einem Anteil von 1,2 % an internationalen Gästen das Schlusslicht darstellt. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen den Anforderungen der MICE-Branche und dem internationalen Freizeittourismus. Die größte Durchdringung mit internationalen Gästen erfahren im Bundesland die Städte Rostock, Stralsund, Wismar sowie Schwerin. Es fehlen entsprechende Großunternehmen im Land, mit denen Umsatz im Tagungsbereich generiert werden könnte. Im Jahre 2006 ist das Projekt „Meet MV“ gegründet worden, an dem sich bisher nur ein Usedomer Hotel beteiligt. Aus seiner Sicht sollte sich die Insel konsolidieren und auf ausgewählte Quellmärkte konzentrieren. Für neue Märkte ist die Marke „Urlaubsland MV“ additiv, um sich gemeinsam als TVIU und TMV zu präsentieren.
Gericke fügte hinzu, dass sich Peenemünde lange Zeit im Dornröschenschlaf befunden hat, nun aber das Konzept „Peenemünde 2020“ entwickelt wurde, welches u.a. die Hafensanierung, einen Energiepark auf dem ehemaligen Flugplatz sowie die Schaffung von Tagungsmöglichkeiten bis zu 1.000 Teilnehmern beinhaltet. Diese zukünftigen Potentiale müssen in die Marketingstrategie aufgenommen werden.
Um die MICE-Umsätze zu steigern, sei es wichtig, den polnischen, skandinavischen und tschechischen Markt mit Hilfe von Agenturen zu gewinnen, so Anke Michels. Ergänzend fügt Elisabeth Hiltermann hinzu, dass der Schwerpunkt anhand der touristischen Kapazitäten eher auf kleine und mittelständische Unternehmen als auf große Unternehmen gelegt werden sollte.
Dörthe Hausmann (Geschäftsführerin, Usedom Tourismus GmbH) erläuterte, dass sich die Marketingaktivitäten für das MICE-Geschäft mit einem sehr begrenzten Budget derzeit auf den deutschsprachigen Markt konzentrieren. Weiterhin liegt der Fokus auf Österreich und der Schweiz. Der polnische Markt werde in jüngster Zeit sporadisch mit Einzelprojekten bearbeitet. Sie sieht eine Stärkung der internationalen Präsenz als Vision für die Zukunft, wenn sich eine entsprechende Kompetenz aller Partner entwickelt hat.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass eine Neugewinnung internationaler Gäste für die Destination Usedom nur durch die Kooperation, Leistungsbündelung und Kompetenz-entwicklung aller Partner möglich ist. Für die zukünftige Generierung von MICE-Geschäft ist die Produktentwicklung gemäß den Anforderungen von Tagungsplanern etc. von größter Bedeutung. Die TVIU Arbeitsgruppe MICE befindet sich dahingehend aktuell in der finalen Phase für eine gemeinsame Präsentation.

