Das Münchner Marktforschungsinstitut ULYSSES – Web-Tourismus veröffentlicht Anfang März seine seit 2003 jährlich durchgeführte Studie zum Last-Minute-Reisemarkt. Die jetzt vorab veröffentlichten Ergebnisse der repräsentativen Untersuchung stellen die ersten und wichtigsten Ergebnisse dar. So sank 2009 die Zahl der durchgeführten Last-Minute-Reisen gegenüber dem extrem starken Vorjahr zwar um rund 50%, stellt aber nach wie vor einen der höchsten Werte der letzten Jahre dar. Auf die Spontanreise, die ihrer Natur nach noch immer eher als Zusatzreise gesehen wird, wurde vor allem krisenbedingt verzichtet. Auch die deutlich gesunkenen Reiseausgaben spiegeln diesen Verzichtsaspekt wider.

Last-Minute-Reisen im Zeichen der Krise
Die repräsentative Studie von Ulysses – Web-Tourismus zeigt, dass knapp zwei Drittel der Deutschen inzwischen schon Erfahrung mit Last-Minute-Reisen gemacht haben – der langfristige Trend ist aber auch bei dieser Reiseform steigend.

Im Jahr 2009 buchten 14,8 Mio. Deutsche ihren Urlaub „last minute“, also 14 Tage vor dem Abreisedatum. Das sind rund 52% weniger als noch im Jahr 2008, welches ein ausgesprochen hervorragendes Last-Minute-Jahr war. Obwohl die Zahl durchgeführter Reisen 2009 allgemein gesunken ist, zeigen sich die Auswirkungen der Wirtschaftskrise besonders bei den Last-Minute-Reisen. „Entgegen allen Erwartungen hat die Wirtschaftskrise nicht dazu beigetragen, dass 2009 ein sogenanntes Last-Minute-Jahr wird, indem die Konsumenten ganz spontan verreisen, wenn es das Haushaltsbudget noch hergibt“, erklärt Dominik Rossmann, Geschäftsführer von Ulysses – Web-Tourismus.

Das ist für die Experten wie für die Reiseindustrie ein gleichermaßen überraschendes Ergebnis und stärkt die Bedeutung der Haupturlaubsreise, die eher langfristiger geplant und organisiert wird. Mehr noch: es bedeutet, dass die Last-Minute-Reise, die häufig als Zusatzreise gebucht wird, sehr zum Ärgernis der Reiseindustrie vor allem von finanziellen Gründen abhängig ist, und somit letztendlich doch wieder nur der Preis das entscheidende Merkmal einer Last-Minute-Reise darstellt. „Zwar ist die Zahl an Last-Minute-Reisen 2009 deutlich gesunken“, erklärt Rossmann weiter, „doch sind die allgemeinen Rahmenbedingungen für den Spontantrip weiterhin sehr positiv zu betrachten.“ Denn trotz Krise sind immer noch fast 21 Mio. Kurzfristreisen gebucht worden, und das lässt deutlich mehr erwarten, sobald die Krise für die meisten als überwunden wahrgenommen wird.

In Zeiten wirtschaftlicher Schwankungen legen die Deutschen also eher Wert auf Solidität, Sicherheit und eine langfristige Planung. Dass die Last-Minute-Reisen besonders von der finanziellen Situation der Nachfrager abhängig waren, zeigt sich auch in den getätigten Ausgaben. „Während die Reisen um rund 52% nachgaben, sanken die Ausgaben für Last-Minute-Reisen überproportional um 58%“, bestätigt Studienleiter Rossmann. So investierten die Deutschen 2009 für ihre Last-Minute-Reisen etwas mehr als 10,0 Mrd. Euro (2008: 23,9 Mrd.).

Insgesamt verreisten tendenziell mehr Männer spontan als Frauen und auch bei der Häufigkeit der Last-Minute-Reisen liegen die Männer klar vorne. „Frauen sind bei der Urlaubsbuchung einfach organisierter und gehen strategischer vor als Männer“, so Rossmann, „für Frauen ist die Seriosität des Anbieters sowie das Preis-Leistungs-Verhältnis sehr wichtig, wohingegen Männer eher bequem und behäbig sind. Sie möchten im Vorfeld keinen großen Stress haben, daher buchen sie lieber spontan und am besten von daheim aus über das Internet.“

Was die Messung und die Prognosen für die Last-Minute-Reise angeht, müssen einige interessante Aspekte berücksichtigt werden. Die Last-Minute-Reiseabsichten unterliegen gerade wegen ihrer Kurzfristigkeit Schwankungen und Prognoseunsicherheiten. Einerseits kann mit einer Spontanreise schnell und kurzfristig auf wirtschaftliche wie auch andere Umweltveränderungen reagiert werden, andererseits wird auch auf die Last-Minute-Reise „spontan“ verzichtet, wenn sich die wirtschaftliche Situation eines Haushalts verschlechtert.

Umgekehrt gilt das selbstverständlich genauso, denn bei sich verbessernder Wirtschaftslage steigt die Nachfrage nach Last-Minute-Reisen signifikant an. „Hinzu kommen Erinnerungs- und Wahrnehmungslücken seitens der Befragten“, erklärt Rossmann, „denn manche können sich nicht genau erinnern, wann exakt sie gebucht haben oder den Befragten ist zum Teil gar nicht bewusst, dass ihre Reiseentscheidung womöglich eine Last-Minute-Reise darstellt.“

Mittelmeerraum gewinnt deutlich Marktanteile
Auch 2009 bleibt Spanien mit großem Abstand das Last-Minute-Ziel Nummer eins der Deutschen, gefolgt von der Türkei, die ihre Marktanteile fast verdoppeln konnte. Deutschland bleibt nahezu konstant auf dem dritten Platz, wohingegen Österreich überraschenderweise Marktanteile einbüßte. Ganz allgemein betrachtet waren 2009 die großen Gewinner die Länder des Mittelmeerraums, wo sich vor allem typisch günstige Pauschalreise-Länder wie die Türkei, Ägypten und Tunesien positionierten.

Hier konnten die Billigflieger punkten, die diese Regionen bevorzugt anfliegen und die ihren Marktanteil gegenüber 2008 um fast 10%-Punkte steigerten. Marktanteilseinbußen verbuchen interessanterweise diejenigen Länder, die bevorzugt mit dem PKW bereist werden. Hier traf es neben Österreich und Kroatien/Slowenien auch verhältnismäßig teure Länder wie Italien (-2,6%) und Frankreich (-1,3%). Fernreiseziele, die 2008 vom günstigen Dollarkurs profitierten, fielen 2009 wie erwartet zurück.

Online-Buchung bei Männern und Frauen auf Platz 1 – Preisunelastizität bei Frauen überraschend hoch
Das Internet wird für den Vertrieb der Last-Minute-Reisen immer wichtiger. 2009 buchten 45,7 Prozent der Deutschen fast 10 Mio. Kurzfrist-Reisen online (2008: 45,9% fast 20 Mio. LM-Reisen online). Das Reisebüro als Buchungsort verteidigt seinen zweiten Platz, verliert aber auch 2009 wichtige Kunden an das Internet.

Vorteile bietet die Online-Suche vor allem Interessierten, die zwar Bedarf nach einer Beratungsleistung haben, oftmals jedoch keine wirkliche Buchungsabsicht. „Gerade die Unverbindlichkeit wird beim Stöbern im Internet sehr geschätzt“, erklärt Rossmann die Entwicklung. „Außerdem ist das Surfen sowohl schnell, als auch bequem und Angebote zu jeder Tageszeit verfügbar. Insbesondere bei kurzfristiger Reiseorganisation und -buchung spielt letzteres eine ausschlaggebende Rolle.“

Im Jahr 2009 wurden 49% aller Last-Minute-Reisen, die 2 bis 3 Tage vor Reiseantritt gebucht wurden, über das Internet organisiert, und nur knapp 25% via Reisebüro. In der geschlechtsspezifischen Betrachtung zeigt sich 2009 wie auch im Vorjahr, dass wieder deutlich mehr Männer online gebucht haben als Frauen. Dies liegt laut Rossmann daran, dass Männer sich weitaus kurzfristiger für eine Reise entscheiden. 11,4% von ihnen gaben sogar an, einfach spontan loszureisen und zu schauen was passiere.

Männer zeigten sich 2009 spontaner als Frauen, sie verreisten insgesamt öfter, dafür aber im Schnitt kürzer. Männer gaben im Durchschnitt deutlich mehr für eine Spontanreise aus als Frauen und zeigten sich auch preiselastischer, d.h. sie waren signifikant eher dazu bereit, lieber etwas mehr für einen Last-Minute-Urlaub zu bezahlen als gänzlich darauf zu verzichten.

Erstaunlich ist die diesjährige hohe Quote an preissensiblen bzw. „preisunelastischen“ Frauen, denn über 58% sagten, sie würden lieber ihren Last-Minute-Urlaub streichen und zu Hause bleiben, als einen Cent mehr für die Reise zu bezahlen (Männer: 47%). Tendenziell lässt sich jedoch feststellen, dass die Deutschen bei gleichzeitig zunehmender Preissensibilität immer preiselastischer werden. Lieber zahlen sie für den Spontanurlaub ein bisschen mehr, als dass sie keinen Urlaub machen und zu Hause bleiben.

Flugzeug weiterhin wichtigstes LM-Verkehrsmittel – Billigflieger stark
Von 69,4% im Vorjahr stieg 2009 die Zahl der spontanen Flugreisen sehr deutlich auf fast 75% im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln. „Dies liegt vor allem in der gestiegenen Anzahl von Last-Minute-Reisen, die per Billigflieger durchgeführt wurden und somit den Mittelstreckenbereich abdeckten, was sich auch in den gestiegenen Marktanteilen der Mittelmeerdestinationen ausdrückt“, erläutert Rossmann.

Die Anzahl der Spontanreisen, die via Flugzeug angetreten wurden, sank zwar auf 15,6 Millionen Reisen, doch war diese Schrumpfung deutlich unterproportional im Vergleich zum Rückgang aller durchgeführten Last-Minute-Reisen. Per Billigflieger wurden um die 6,6 Millionen Spontanreisen durchgeführt. Der starke Anteil der Billigflieger ist auch Zeichen des Preisdrucks, der 2009 auf dem Last-Minute-Markt herrschte. Während 2008 auch hochpreisigere Fernziele stark waren, die nicht per Billigflieger erreicht werden konnten, rückte der Last-Minute-Markt 2009 wieder mehr Richtung „preisgünstig“.

Das Automobil als Last-Minute-Verkehrsmittel musste gegenüber 2008 erneut Marktanteile einbüßen, genauso wie auch die Bahn, was sich auch in den gesunkenen Marktanteilen der Nahziele ausdrückt.

Last-Minute-Reisen spüren die Auswirkungen der Krise
Entgegen aller Prognosen sank die Beliebtheit der Last-Minute-Reise 2009. Die kurzfristige und spontane Buchbarkeit, die 2008 noch als ein Vorteil erschien, führte dazu, dass „spontan“ ganz auf die Buchung der Last-Minute-Reise verzichtet wurde. Interesse zeigten die Deutschen vermehrt an der im Voraus geplanten Urlaubsreise, was „Sicherheit in unsicheren Zeiten verspricht“, so Rossmann.

Langfristige Investitionen werden nicht mehr ganz so kategorisch abgelehnt wie noch im letzten Jahr. Unverändert geblieben ist hingegen die Hauptzielgruppe der Last-Minute-Reise. Diese bilden nach wie vor Pärchen mit 32,4%. Interessant in diesem Zusammenhang ist aber auch der Anteil derer, die mit Freunden oder als Gruppe (mehr als 2 Personen) spontan verreisen. Seit Jahren schon bewegt sich dieser Wert sehr stabil um die 30%-Marke.

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