Europas grösster White-Label-Operator zerbricht – Schockwelle im Markt? Im April 2025 wurde die HR Group in Revo Hospitality umbenannt. Revo steht für “Revolution”. Revo Hospitality meldet Insolvenz in Eigenverwaltung an. Betroffen sind 140 Gesellschaften. 125 Hotels werden fortgeführt werden. Die Gruppe versandte vor wenigen Minuten eine entsprechende Pressemitteilung. Damit ist der “worst case” eingetreten, den Gründer Ruslan Husry unbedingt vermeiden wollte. Diese News dürfte den deutschen Hotel-Markt erschüttern.
In der Pressemitteilung heisst es, dass Revo Hospitality bis zum Sommer in Eigenverwaltung saniert werden soll. Wörtlich: “Rund 140 Gesellschaften der REVO Hospitality Group haben beim Amtsgericht Charlottenburg Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Der Betrieb der betroffenen rund 125 Hotels in Deutschland und Österreich wird mit allen rund 5.500 Mitarbeitern fortgeführt. Von gerichtlich bestellten Sachwaltern werden die Verfahren überwacht.”
Die REVO Hospitality Group betreibt unter eigenen Marken sowie als Franchisenehmer für international renommierte Hotelketten insgesamt 250 Hotels in 12 europäischen Ländern und 135 Städten. Dazu zählen Stadthotels, Apartments für Geschäftsreisende und Familien im niedrigen bis gehobenen Preissegment. “Mit der Wirtschaftskrise gerieten davon 140 Gesellschaften inklusive der Verwaltungs- und Holdinggesellschaft in Schwierigkeiten. Insbesondere die gestiegenen Lohnkosten und die starke Anhebung der Mindestlöhne, aber auch erhöhte Kosten für Mieten, Energie und Lebensmittel belasten das Geschäft. Vor allem führte die starke Expansion der REVO Hospitality Group in den letzten Jahren zu Doppelstrukturen und Integrationsproblemen,” heißt es weiter.
In 6 Jahren von 51 auf 250 Hotels
2008 übernahm die REVO Hospitality Group, die bis 2025 unter dem Namen HR Group tätig war, ein erstes Hotel in Leipzig. 2020 gehörten 51 Hotels zur Gruppe. Danach expandierte die Gruppe stark auf aktuell 250 Hotels mit einem jährlichen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro und rund 8.300 Mitarbeitern. “Die Akquisition der neuen Hotels war mit erheblichen Kosten verbunden. Andererseits stiegen die Übernachtungszahlen nicht wie erwartet und auch der geplante Umsatz für 2025 wurde nicht erreicht,” bekennt das Unternehmen und verspricht den rund 140 Gesellschaften gute Aussichten für eine zügige Sanierung und langfristige Fortführung.
“Wir werden den Geschäftsbetrieb umgehend stabilisieren und erste Sanierungsmaßnahmen in Absprache mit den wesentlichen Stakeholdern umsetzen. Bei der Agentur für Arbeit haben wir eine Vorfinanzierung der Gehaltszahlungen für die Monate Januar bis März 2026 beantragt”, erklärte Rechtsanwalt Dr. Gordon Geiser von GT Restructuring, der zusammen mit seinem Kollegen Dr. Benedikt de Bruyn für die Dauer der Eigenverwaltungsverfahren zum Geschäftsführer der entsprechenden Gesellschaften berufen wurde. Die Rechtsanwaltskanzlei GT Restructuring in Berlin zählt zu den größten Insolvenzverwalterbüros in Deutschland und konnte zahlreiche Unternehmen erfolgreich sanieren.
Geplant ist laut Pressemitteilung eine Umgestaltung der REVO Hospitality Group mit einem veränderten Bedarf an Management-Leistungen. Es wird eine langfristige Lösung für die Gruppe und die von ihr betriebenen Hotels angestrebt, um so eine bestmögliche Befriedigung der Gläubiger zu erreichen. In Abstimmung mit den vom Gericht ernannten vorläufigen Sachwaltern und dem Gläubigerausschuss planen Dr. Geiser und Dr. de Bruyn internationale Investoren anzusprechen.
“Die Eigenverwaltung ermöglicht eine schnelle Stabilisierung und eine geordnete Überleitung auf einen Investor, ohne die zahlreichen Hotelbetriebe wesentlich einzuschränken. Mit Einleitung des Insolvenzverfahrens dürfte sich auch das bis heute spürbare Interesse von Investoren noch erhöhen. Deshalb sind wir zuversichtlich, die wirtschaftlichen Probleme der betroffenen Gesellschaften der Revo Gruppe bis zum Sommer zügig zu lösen”, so Rechtsanwalt Dr. Benedikt de Bruyn.
Ruslan Husry: ein Investor und Immobilien-Experte mit viel Gespür, Knowhow und einem guten Ruf in der Branche. Seine Übernahme-Serie war wohl zu ambitioniert.
Die beiden letzten Deals hatte Ruslan Husry Ende 2024 für 10 von einst 23 geplanten Intercity-/Steigenberger Hotels und die Übernahme der deutschen H-Hotels Gruppe mit 64 Häusern – sein grösster Deal. Laut Ruslan Husry steigerte die Akquise von H-Hotels das Asset-Volumen von 1,2 auf 1,5 Milliarden Euro. Zu diesem Zeitpunkt betrieb Revo Hospitality (die Firma hiess damals noch HR Group) neun Eigenmarken und kooperierte mit 21 Franchise-Marken verschiedener globaler Ketten. Die beiden grössten Ketten-Partner – und Franchisegeber – sind Wyndham und Accor.
Wie reagiert der Markt?
Nun bleibt abzuwarten, wie der Markt auf diese News reagiert. Nachdem Revo Hospitality nun ein Refinanzierungsfall ist, dürften die Banken und andere Finanzierer gegenüber der Assetklasse Hotel wieder vorsichtiger werden. Verträge werden jetzt sicherlich mit einer grossen Lupe betrachtet, geplante Transaktionen könnten über Monate geblockt werden. Vermutlich werden Private Equity-Firmen das Portfolio sehr schnell sondieren: Sie lechzen nach Betreiber-freien Hotels.
Vor zwei Tagen erst haben die Immobilien-Broker die Ergebnisse des gesamten Investment-Jahrs 2025 veröffentlicht, dabei das unerwartete Comeback der Investoren in der deutschen Hospitality-Branche gefeiert und der Branche versichert, dass das wiedergekehrte Vertrauen noch weiterwachsen wird. / Maria Pütz-Willems von unseren Kollegen von Hospitality Insider



