Überraschender Führungswechsel bei visitBerlin: Jürgen Amann verlässt die Berliner Tourismusgesellschaft nach nur drei Monaten. Kaum im Amt, schon wieder weg: Jürgen Amann verlässt visitBerlin nach nur drei Monaten. Der überraschende Personalwechsel wirft Fragen zur strategischen Ausrichtung der Berliner Tourismusgesellschaft auf.

Paukenschlag bei visitBerlin: Jürgen Amann geht nach nur drei Monaten
Es sollte ein Neustart an der Spitze von visitBerlin werden. Doch nach nur drei Monaten ist die Amtszeit von Jürgen Amann bereits wieder beendet. Der Tourismusmanager, der erst zum 1. Juni 2026 gemeinsam mit Sabine Wendt die Geschäftsführung der Berlin Tourismus & Kongress GmbH übernommen hatte, wird das Unternehmen wieder verlassen. Der Berliner Tagesspiegel berichtete zuerst über die überraschende Trennung; die Deutsche Presse-Agentur bestätigte die Informationen aus informierten Kreisen.

Amanns Einstieg in Berlin war mit hohen Erwartungen verbunden. Der promovierte Wirtschaftsgeograf kam von der KölnTourismus GmbH, die er seit 2020 geleitet hatte. In Berlin sollte er gemeinsam mit Sabine Wendt die touristische Entwicklung der Hauptstadt vorantreiben und insbesondere den Bereich Destinationsmarketing und Commercial verantworten. Sein Wechsel nach Berlin war zunächst als wichtiger Schritt für die Weiterentwicklung von visitBerlin angekündigt worden. Amann folgte auf Burkhard Kieker, der die Berliner Tourismusorganisation 17 Jahre lang geprägt hatte. Die neue Doppelspitze aus Amann und Wendt sollte für Kontinuität und gleichzeitig neue Impulse sorgen.

Dr Juergen Amann im Juni 2026 beim Antritt in Berlin (c)Dieter Jacobi

Unterschiedliche Vorstellungen über die Zukunft von visitBerlin
Nach Informationen des Berliner Tagesspiegels sollen unterschiedliche Vorstellungen über die künftige strategische Ausrichtung von visitBerlin eine wesentliche Rolle gespielt haben. Auch innerhalb des Unternehmens soll es Irritationen über den Führungsstil und das Betriebsklima gegeben haben. Amann und visitBerlin haben sich demnach auf einen Aufhebungsvertrag verständigt. Hinzu kommen Vorgänge aus seiner früheren Tätigkeit bei KölnTourismus, die laut Medienberichten derzeit geprüft werden. Eine abschließende Bewertung dieser Vorgänge liegt bislang nicht vor. Entsprechend sollten die einzelnen Vorwürfe klar von den bestätigten Fakten über Amanns Ausscheiden aus Berlin getrennt werden.

Brisant ist vor allem der Zeitpunkt
Der außergewöhnlich kurze Zeitraum macht den Personalwechsel besonders bemerkenswert. Erst im Juni war Amann offiziell als Nachfolger Kiekers vorgestellt worden. Noch im August trat er gemeinsam mit Sabine Wendt öffentlich als Geschäftsführer von visitBerlin auf und präsentierte die Tourismusbilanz für das erste Halbjahr 2026. Die Zahlen zeigen dabei ein gemischtes Bild: Berlin verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 rund 5,9 Millionen Gäste und 13,6 Millionen Übernachtungen. Während die Zahl der Gäste nahezu stabil blieb, gingen die Übernachtungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,7 Prozent zurück. Der Inlandstourismus entwickelte sich hingegen vergleichsweise robust. Noch vor wenigen Wochen hatte Amann selbst erklärt, Berlin verfüge über eine starke touristische Anziehungskraft und gute Voraussetzungen für das zweite Halbjahr. Große Messen, Kongresse und internationale Sportveranstaltungen sollten zusätzliche Reiseimpulse schaffen.

Was bedeutet der Abgang für Berlin?
Für visitBerlin kommt der Führungswechsel zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Hauptstadt steht im internationalen Wettbewerb um Touristen, Geschäftsreisende, Kongresse und Großveranstaltungen. Gleichzeitig verändern sich die Anforderungen an das Destinationsmanagement: Nachhaltigkeit, internationale Vermarktung, Digitalisierung und die Frage nach einem stadtverträglichen Tourismus gewinnen zunehmend an Bedeutung. Mit dem Ausscheiden Amanns stellt sich deshalb nicht nur die Frage nach seiner Nachfolge. Entscheidend wird auch sein, welchen Kurs visitBerlin künftig einschlagen will. Sabine Wendt bleibt Teil der Geschäftsführung. Sie ist seit Anfang 2024 Geschäftsführerin und verantwortet unter anderem Destinationsmanagement und Unternehmensentwicklung. Die ursprüngliche Doppelspitze ist damit bereits wenige Monate nach ihrem Start wieder Geschichte.

Aufsichtsrat steht erneut vor wichtigen Entscheidungen
Die nächsten Schritte dürften nun schnell erfolgen. Nach den vorliegenden Berichten soll sich der Aufsichtsrat von visitBerlin in der kommenden Woche mit der Situation beschäftigen. Dabei dürfte es nicht nur um die organisatorische Nachfolge gehen, sondern auch um die Frage, wie die Berliner Tourismusgesellschaft strategisch weitergeführt werden soll. Der Fall Amann zeigt damit einmal mehr, wie sensibel die Führung einer öffentlich geprägten Tourismusorganisation sein kann. Zwischen wirtschaftlichen Interessen, politischer Verantwortung, den Erwartungen der Tourismusbranche und den Interessen der Berliner Bevölkerung müssen unterschiedliche Ziele miteinander verbunden werden. Für Jürgen Amann endet das Berliner Kapitel jedenfalls deutlich früher als geplant. Für visitBerlin beginnt dagegen erneut die Suche nach Stabilität an der Spitze – und möglicherweise auch nach einer neuen strategischen Ausrichtung.

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