Die Reiseangebote der Großveranstalter und Spezialanbieter für die lateinamerikanische Region ergänzen sich gegenseitig, so das Fazit des Lateinamerika-Workshops auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB). Generalisten übernehmen die Werbung und bieten die Highlights, Spezialisten schulen Reiseberater und gewähren tiefere Einblicke in die Länder.
Unterschiedliche Kundeninteressen und -bedürfnisse erfordern ein vielfältiges Reiseangebot – und für Lateinamerika findet jeder Traveller die von ihm bevorzugte Reiseform auf dem deutschsprachigen Markt. Da die Zielgruppen sich größtenteils voneinander unterscheiden, ergänzen sich die Angebote der Generalisten und der Spezialisten in vieler Hinsicht. Die Region Lateinamerika ist die ideale Plattform für ein funktionierendes Miteinander von großen, mittelständischen und kleinen Reiseunternehmen auf dem Markt; obwohl die Vertriebsmöglichkeiten für die jeweiligen Formate sehr unterschiedlich sind. Zu diesem Ergebnis kamen Branchen-Fachleute, die im Rahmen des Lateinamerika-Workshops auf der ITB die Angebote von großen Reiseveranstaltern und Spezialveranstaltern in den Fokus rückten.
Rund 70 Teilnehmer folgten der Einladung der Arbeitsgemeinschaft Lateinamerika e.V. und der Messe Berlin in den Raum Regensburg. Teilnehmer der Gesprächsrunde waren Jörg Ehrlich (DIAMIR), Roland Junker (Thomas Cook), Christian Schmicke (Fachmagazin TravelOne) und Werner Sülberg (DER Touristik GmbH) unter der Moderation von Andreas M. Gross (Arge Lateinamerika).

v.l.n.r.: Werner Sülberg (DER Touristik GmbH), Christian Schmicke (Fachmagazin TravelOne), Andreas M. Gross (Arge Lateinamerika), Jörg Ehrlich (DIAMIR), Roland Junker (Thomas Cook)


Land, Leute und Kultur Lateinamerikas näher kennen lernen – das wollen viele Reisende heute. Dank des Internets als Ideen- und Informationsgeber ist das Spektrum an Reisemöglichkeiten weitaus umfangreicher als noch in den 90er Jahren. Generalisten, wie die großen Veranstalter im deutschsprachigen Raum, bieten jenseits der Badestrände allerdings wenig touristische Produkte mit Tiefgang nach Lateinamerika an. Wer die Länder der Region intensiver kennen lernen will, greift fast ausschließlich auf Angebote von Spezialreiseveranstaltern zurück. Diese sind jedoch nur selten oder gar nicht über Reisebüros buchbar.
Wo die Großveranstalter vornehmlich Reisen mit Entspannungsfaktor in Badedestinationen und dem Besuch der Highlights eines Landes anbieten, setzen die Spezialisten darüber hinaus mit ihren Programmen auch auf die Regionen abseits der ausgetretenen Pfade. Generalisten sprechen Kunden mit normalem Budget an, für Reisen der Spezialisten muss der Kunde in der Regel tiefer in den Geldbeutel greifen, da der Leistungsumfang mit Spezial-Programmen weitaus größer ist. Wer zum ersten Mal in ein lateinamerikanisches Zielgebiet reist, bucht oftmals bei einem Großveranstalter, um sich zunächst einen Überblick zu verschaffen. Möchte der Reisende danach oder von vorne herein das Land intensiver kennen lernen, geht er zum Spezialisten, der ihm einen differenzierteren Blick hinter die Kulissen gewährt.
Für viele lateinamerikanische Länder ist es schwierig ausreichend Werbung für ihre Destination zu machen. Durch ein entsprechend ausgerichtetes Portfolio und einem breiten Zugang zum Markt übernehmen Großveranstalter in vielen Fällen diese Rolle. Rund 300.000 Kataloge jährlich und andere Werbemaßnahmen machen Appetit auf die Länder. Davon profitieren die Ziele ebenso wie die Spezialveranstalter. Im Gegenzug mangelt es oftmals an landeskundlichem Wissen bei den Reiseberatern. Von rund 10.000 Reisebüros in Deutschland verfügen bislang nur knapp 2.000 über eine gute Beratungskompetenz zu den Ländern des lateinamerikanischen Subkontinents. Mit ihren regelmäßigen Destinationsschulungen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz setzen sich die Arbeitsgemeinschaft Lateinamerika und ihre Mitglieder für eine Verbesserung der Beratungsqualität ein. Einige Spezialveranstalter, die über Reisebüros buchbar sind, bieten zudem direkt Informationsveranstaltungen zu den Ländern an. Ergänzend übernehmen auch die Fachzeitschriften durch Berichte und Zielgebietsinformationen einen wichtigen Part im Bereich der landeskundlichen Know-how-Steigerung der Reiseberater. Alle gezielten Maßnahmen in ihrer Gesamtheit verbessern langfristig die Länderkenntnisse, die wiederum auch den Großveranstaltern zugute kommen.
Die Region Lateinamerika ist aufgrund der Vielfalt der einzelnen Länder und Kulturen ein eher erklärungsbedürftiges Ziel. Landeskundliche Kenntnisse sind somit für Reiseberater essentiell. Erfahrene Lateinamerika-Reisende buchen jedoch auch direkt bei Spezialveranstaltern im Internet, deren Angebote nicht im Reisebüro zu finden sind. Gerade hier spielen auch die Verbraucher-Medien mit ihren Reiseberichten und Informationen über die Destinationen eine bedeutende Rolle.
„Der deutschsprachige Markt verfügt über eine solide Basis an Reise- und Informationsangeboten für die lateinamerikanische Region“, resümiert Andreas M. Gross, 1. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Lateinamerika. „Die Kombination aus den Offerten der Groß- und der Spezialveranstalter einerseits und den Berichten der Fach- und Endverbraucher-Medien andererseits ermöglicht eine gute Zufriedenstellung der unterschiedlichen Zielgruppen. Wenn alle Beteiligten weiterhin an einem Strang ziehen, kann der Lateinamerika-Tourismus florieren.“

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