Anfang Juni fand in Kerala die erste ICTT India zum Thema “Technologien im Tourismusbereich” statt. Wir fassen die Ergebnisse für Sie zusammen und geben einen Überblick, was im Online-Marketing heute beachtet werden muss.
Über 1000 Tweets wurden laut bluewiremedia während der dreitägigen Konferenz in Thiruvananthapuram im indischen Bundesstaat Kerala verschickt. Dadurch konnten allein auf Twitter geschätzte 1,5 Millionen Menschen erreicht werden.
Überhaupt wurde auf der Veranstaltung nicht nur über neue Technologien gesprochen, sondern diese auch fleißig genutzt. Im Foyer stand beispielsweise ein riesiger Live-Counter, der die mittlerweile über 800.000 Facebook-Likes von Kerala Tourism zeigte. Unterstützt wurden solche Zahlen durch Redner wie Dr. Shashi Tharoor, Buch-Autor, Minister für “Human Resources Development” und Twitter-Größe mit fast 1,8 Millionen Followern. In seiner Eröffnungsrede stellte er vor den knapp 200 Besuchern auch gleich sein neuestes Web-Projekt vor: das Kerala Tourism Quiz, eine über YouTube ausgetragene und mit stattlichen Preisen lockende Online-Rätsel-Reihe mit Fragen über die Region.
Nebenbei wurde erwähnt, dass Deutschland immer noch einer der wichtigsten ausländischen Märkte der Region sei; vor allem durch die mystisch umhauchten Ayurveda-Heil-Reisen.
Weitere Themen der Messe waren die Möglichkeiten des Web-Marketings über LinkedIn, Twitter und Company-Blogs. Es wurde darüber diskutiert, wie Menschen das Netz nutzen, um sich über Reisen zu informieren.
Preise & Bewertungen
Ein kritischer Punkt war die Frage, wie Hotels und andere Anbieter mit Online-Ratings umgehen können. Sollten Bewertungen belohnt werden? Und wenn ja, wie?
Es gibt verschiedene Varianten, die Vor- und Nachteile haben. Discounts auf die nächste Reise beispielsweise sind einfach, allerdings ist es bei vielen Anbietern wenig wahrscheinlich, dass der Gast alsbald wiederkommt. Zudem könnte es mehr als Lockmittel denn als Dank empfunden werden und dadurch schaden. Eine andere Möglichkeit ist Cashback, also die Rückzahlung eines Teils der Kosten des Kunden. Die Erstattung sollte, wenn möglich, vom Ausgang der Bewertung unabhängig sein und das auch so kommuniziert werden, da sonst die Gefahr besteht, dass sich der Kunde beeinflusst fühlt und in seinem Kommentar über vermeintlich unmoralische Methoden schreibt.
Bewertungen müssen auch nicht immer perfekt sein. Denn durchgehend sehr gute Noten machen Benutzer skeptisch. Schlecht sollten sie natürlich auch nicht sein, aber ein paar befriedigende Kritiken können sogar Vertrauen schaffen.
Unter der Sentenz: “Preis ist nur eines der P’s”, wurde versucht, den Fokus weg vom harten Preiskampf zu lösen und die anderen Elementen des klassischen Marketing-Mix’ zu beleuchten. So gebe es – wie auf dieser Veranstaltung nicht anders zu erwarten – immer noch viele Möglichkeiten in der Produktgestaltung, der Distribution (vornehmlich über Online-Kanäle) und direkter Kommunikation mit dem potentiellen Kunden.
Ein Vorschlag zur kreativen Preisgestaltung waren Friend-Rates, beispielsweise in Form von Vergünstigungen für Freunde, automatischen Upgrades der Buchungen – oder einem Dankeschöngeschenk an den Vermittler.
Auch OTAs wurden besprochen und der eindringliche Hinweis gegeben, auf Preisparität zu achten. Denn auch wenn es Nachteile für das Hotel durch die deutlich unterschiedlichen Gebühren bringt: ein konsistentes Bild nach Außen sei wichtiger.
Cashback-Sites werden kommen und Travel Agents unglücklich machen, da sie sogar mehr Prozente an den Kunden geben, als sonst die TAs bekommen. Konkrete Handlungsempfehlungen, die über “besseren Service” hinausgehen, gab es nicht.
Tipps
Ein weiteres interessantes Thema war der Umgang mit sogenanntem “Content-Klau”. Kurzum: Es gibt wenig, was getan werden kann. Rechtliches Vorgehen ist mühsam und den Aufwand meist nicht wert. Die beste Möglichkeit sei, bei der entsprechenden Person um einen Backlink zu bitten. Das bringt den Content mehr Lesern näher, führt vielleicht sogar einige zur originalen Seite und stärkt zudem noch kostenlos die Platzierung dieser bei Google.
Analyse-Tools sind nicht neu, werden aber immer noch zu wenig eingesetzt. Hierzu wurden zwei wichtige Empfehlungen gegeben:
1. Benutzen Sie sie. Es muss auch nicht immer Google Analytics sein. Piwik ist beispielsweise gratis, Open-Source und auch mit den deutschen Datenschutzbestimmungen vereinbar.
2. Benutzen Sie sie durchgehend. Also auch im Newsletter, allen Links in Tweets, auf Facebook, LinkedIn usw.
Zugriffe von mobilen Endgeräten wie Smartphones oder Tablets werden enorm wichtig und haben die Desktop-Geräte teilweise sogar schon überholt. Diesbezüglich wurde das Thema Repsonsive-Web-Design besprochen. Dabei handelt es sich um eine Herangehensweise zur Gestaltung von Websites, bei der diese versuchen, immer bestmöglich auszusehen, indem sie sich der Größe des Gerätes anpassen, auf dem sie angezeigt werden. Anbietern, wird empfohlen, ihre Seiten auf möglichst vielen Geräten zu testen und wenn nötig anzupassen.
Moderne Möglichkeiten
Zuletzt wurde noch ein Ausblick auf moderne Möglichkeiten zur Vermarktung geben, beispielsweise Skype-Telefonate mit Kunden oder Google-Hangouts, die live über YouTube gestreamt werden können. Auch gibt es neben Twitter und Facebook noch viele Dienste, die zur Präsentation der eigenen Angebote genutzt werden können: YouTube für Produktvideos, Instagram für Fotografien von Destinationen, Pinterest für Pinnwände, beispielsweise mit Sehenswürdigkeiten, Restaurants oder einfach Augenschmauß der Umgebung. Gerade letzteres ist eine günstige Möglichkeit, Schritt für Schritt Emotionen zu einer Destination aufzubauen.
Diesem Thema widmete sich auch Adam Franklin mit seinem Vortrag über Blogging, in dem er die verschiedenen Stufen im Übergang vom Fremden zum Kunden beleuchtete.
Attract Convert Close Delight
Stranger -> Visitor -> Leeds -> Customer -> Promoter
Er fügt jedoch auch an, dass Twitter und Facebook gut zur Kommunikation geeignet sind, aber letztlich nicht den Deal schließen.
Abschließend lässt sich sagen, dass die ICTT wichtig war, denn gerade die Tourismus-Industrie liegt an vielen Stellen weit hinter dem durch den Einsatz moderner Technologien Möglichen zurück.
Organisiert wurde die Messe von ATTOI, der Association of Tourism Trade Organisations, India.

