Die historische Seidenstraße ist ein Reisetraum für Historiker, Kultur- und Abenteuer­touristen, aber ein Albtraum für Reisende, die komplizierte Einreiseregelungen, Warte­zeiten und Bürokratie hassen. Obwohl eine Silk Road Buchung Veranstaltern und Reisebüros in der Regel gutes Geld bringt, können auch die beim Bürokratiegestrüpp schon mal die Nerven verlieren. Gründe genug, um auf der ITB Berlin zum Silk Road Gipfel zusammen zu kommen und Lösungen zu suchen. Erst setzten sich Minister und ranghohe Tourismusvertreter ihrer Länder gemeinsam ‑ aber ohne Presse ‑ an einen Tisch, dann suchten sie auf der ITB Berlin das Gespräch mit Veranstaltern.

Und der Erfolg? „Wir sind hier, wir reden miteinander, wir hören zu.“, sagt Lochin Faizulloev, Vizeminister für Tourismus in Tadschikistan. „Wir kommen aus 22 Staaten, da ist es nicht immer einfach, sich zusammenzufinden“, sagt eine Tourismusexpertin der Mongolei. 22 von 24 geladenen Ländern an einem Tisch ‑ das wird von allen als Erfolg gewertet.

Die Silk Road ist ein Netz von vielen historischen Karawanenstraßen. Ihre Hauptroute verknüpft das Mittelmeer mit Ostasien. So gehören auch Italien, Griechenland, Ägypten, Thailand und Japan zu den Seidenstraße-Nationen. Umständlich ist die Einreise meist in zentralasiatische Länder, wo der Tourismus noch häufig in den Kinderschuhen steckt. Ein Gemeinschaftsvisum für Zentralasien ähnlich wie für die Schengen-Staaten wäre eine feine Sache, argumentieren Reiseveranstalter. Das würde auch die UNWTO begrüßen.

Aber das kann noch einige Zeit dauern, lassen Teilnehmer des Seidenstraße‑Programms durchblicken. Es würde nicht an den Touristikern der Länder liegen, sondern an den ver­antwortlichen Politikern. „Aber eines ist klar, die Bereitschaft zur Zusammenarbeit wächst“, sagt Alla Peressolova, Silk Road-Veratwortliche der UNWTO. Auch Politiker würden immer mehr entdecken, dass Touristen nicht nur ersehnte Devisen bringen, sondern auch gegenseitiges Verständnis, Toleranz und Bildung fördern.

Auch Möglichkeiten zu Investitionen in die oft noch schwache Infrastruktur der Silk Road und weitere historische Hintergründe wurden auf der ITB Berlin erörtert. „Die Silk Road wird eine Auferstehung feiern.“ Darin waren sich viele in Berlin einig.

Am Rande der Ministerrunde wurde auch eine touristisch-politische Überraschung bekannt: „Wir fördern den Touristenverkehr zwischen meinem Land und unserem Nachbarn Afghanistan“, sagte Tadschikistans Vizeminister Lochin Faizulloev. Das gelte für die sicheren Regionen unweit der Grenze. Es gebe sogar ein kleines Home Stay Pro­gramm.

„Das stimmt“, unterstreicht Alla Peressolova. Die Expertin der UNWTO hat das neue Angebot schon ausprobiert. „Das bereiste Gebiet ist sicher. Die Menschen sind sehr freundlich. Das Essen schmeckt wunderbar. Ich habe dort wohl zugenommen.“ Sie lächelt. Neben ihr stehende Minister und Stellvertreter hören ihre Worte. Und alle freuen sich über diesen positiven Bericht aus Tadschikistan und Afghanistan.

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