Die Journalisten waren entzückt: “So etwas hätten wir auch gerne vor der blauen Wand.” Vor der blauen Wand – das bedeutet im Kanzleramt die Lobby, wo die Kanzlerin ihre Staatsgäste empfängt und ihre Pressekonferenzen abhält. Dort stehen die Journalisten dann dicht gedrängt mit Stift und Block in der Hand. Und “so etwas” – damit meinte der Kollege die Ausstattung im Präsidentenpalast “Casa de Nariño” bei der Pressekonferenz: breite Tische, Stühle sowieso, Computer und Internetverbindung. Die Journalisten – zumindest die Agenturjournalisten – konnten also quasi ihre Bericht noch während der laufenden Pressekonferenz absetzen. Schade nur, dass es in Deutschland Samstag Abend 23.30 war – also eher die Zeit, wo Thomas Gottschalk mal wieder gnadenlos mit “Wetten dass” überzieht. Nicht die Zeit, wo sich der gemeine Deutsche über die Demobilisierung der Paramilitärs in Kolumbien informiert.
Das Erstaunen, so muss man ehrlicher- und fairerweise sagen, war nicht nur auf Seiten der Journalisten. Auch die Internetredakteurin staunte. Denn kaum war die Pressekonferenz beendet – die Kamerateams packten noch ihre Kabel zusammen – erschien im Netz auf der kolumbianischen Regierungsseite schon die Fotostrecke über Merkels Ankunft im Palast, militärische Ehren, Gespräch mit dem Präsidenten. Die Geschwindigkeit beeindruckte.
Aber die Bewunderung blieb Gott sei Dank nicht einseitig. Beim Staatsbankett am Abend zählte der Präsident Uribe Deutsche auf, die sich um Kolumbien verdient gemacht hatten. Naturforscher, Pädagogen, Unternehmensgründer – eine schier endlose Folge. Mit denen allerdings die meisten Mitglieder der deutschen Delegation nicht wirklich auf vertrautem Fuß standen. Jenseits des Namens Humboldt hinterließ die Reihe klingender Namen eher Fragezeichen bei der deutschen Gästen. Was die Kanzlerin prompt in ihrem Antwort-Toast zu der Bemerkung veranlasste: “Ich bin nicht sicher, ob unsere Schulbildung auch zu dieser Aufzählung gereicht hätte…”.
Trotz so viel gegenseitiger Wertschätzung und Achtung können auch kleinere Pannen passieren. So musste der Flieger der Kanzlerin noch ein paar Extra-Runden in der Luft drehen, da justament vor der Landung einem Flugzeug der Linie “Eldorado International” ein Reifen geplatzt war und es erst weggeräumt werden musste. Und dann erwischte die Kolonne leider die falsche Einfahrt zum Präsidentenpalast und musste noch mal wenden. In den engen Gassen der Altstadt Bogotás auch keine leichte Übung. Aber schließlich war zum ersten Mal eine Regierungschefin aus Deutschland da. Da war die Freude groß – aber auch die Aufregung.


