Vom Boom zur Normalität: So hat sich der Fährtourismus in den letzten Jahren entwickelt. Fährreisen haben sich in Deutschland von einer zeitweisen Alternative zu einer dauerhaft etablierten Reiseform entwickelt. Das zeigt die aktuelle NIT-Studie Fähr-Touristik im Auftrag des Verbands der Fährschifffahrt und Fährtouristik (VFF), die die Entwicklung des Produkts Fährreisen erstmals systematisch mit den Studien aus den Jahren 2018 und 2021 vergleicht. Das Ergebnis: Fährreisen sind heute fester Bestandteil der deutschen Reiselandschaft – geprägt durch jüngere Zielgruppen, digitales Buchungsverhalten, steigende Qualitätsansprüche und eine bundesweit starke Nachfrage.
Steigende Nachfrage, stabiles Interesse
Fährreisen gewinnen weiter an Zuspruch. 42 Prozent der Deutschen haben in den vergangenen fünf Jahren mindestens eine Fährreise unternommen – ein Plus von fünf Prozentpunkten gegenüber 2021 (37 Prozent; 2018: 39%). Angesichts eines stark umkämpften und zunehmend globalisierten Reisemarkts ist dies ein deutlich positives Signal für den Fährtourismus.
Das Interesse an Fährreisen bleibt dabei auf konstant hohem Niveau: 56 Prozent der Befragten können sich vorstellen, in den kommenden fünf Jahren eine Fährreise zu unternehmen, nahezu unverändert gegenüber 55 Prozent im Jahr 2021 (2018: 49%). Damit haben sich Fährreisen zum festen Bestandteil der deutschen Tourismuslandschaft etabliert.
Junge Reisende als zentrale Zielgruppe
Maßgeblich geprägt wird diese Entwicklung durch jüngere Reisende. Bereits 2021 zählten die unter 40-Jährigen zur wichtigsten Zielgruppe: Rund 63 Prozent dieser Altersgruppe zeigten Interesse an einer Fährreise. Dieser Trend hat sich weiter gefestigt. Auch 2025 weist insbesondere die Altersgruppe der 18- bis 35-Jährigen eine überdurchschnittlich hohe Nutzung und Reiseabsicht auf – rund jede zweite Person in dieser Altersgruppe kann sich eine Fährreise vorstellen oder hat bereits eine unternommen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Affinität deutlich ab. Fährreisen positionieren sich damit zunehmend als Reiseform für mobile, erlebnisorientierte und selbstbestimmt reisende Zielgruppen.
Das Reiseerlebnis gewinnt an Bedeutung
Ein zentrales Nutzungsmotiv bleibt die Mitnahme des eigenen Fahrzeugs mit 56 Prozent. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass das größte Entwicklungspotenzial nicht mehr allein in der Funktionalität liegt, sondern im Reiseerlebnis. Besonders Fährreisen mit Übernachtung an Bord gewinnen an Relevanz.
Die Fährüberfahrt wird zunehmend, von 33 Prozent, als integraler Bestandteil des Urlaubs wahrgenommen – ganz im Sinne des Gedankens, dass der Weg selbst Teil des Reiseerlebnisses ist.
Preis bleibt wichtig – Qualität gewinnt an Gewicht
Bei der Auswahl einer konkreten Fährverbindung spielt der Preis weiterhin die wichtigste Rolle.
Direkt danach folgen jedoch praktische Kriterien wie Erreichbarkeit der Häfen und das Routing, dessen Bedeutung in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat und inzwischen nahezu auf dem gleichen Niveau wie der Preis liegt.
Gleichzeitig zeigen sich Fährkunden qualitätsbewusst: Bei Reisen mit Übernachtung gewinnen Aspekte wie gutes Essen, Kabinenkomfort, WLAN und Service an Bedeutung. Auffällig ist dabei, dass die Nachfrage nach höherwertigen Kabinen nahezu ebenso hoch ist wie nach preisgünstigen Optionen. Qualität ergänzt den Preis zunehmend als relevantes Entscheidungskriterium.
Ganz Deutschland als wichtiger Quellmarkt
Geografisch bleibt Skandinavien mit 57 Prozent das wichtigste Zielgebiet für Fährreisen ab Deutschland, zugleich wächst das Interesse an Regionen wie dem Baltikum (30 Prozent) sowie UK und Irland (33 Prozent). An vierter und fünfter Stelle folgen das westliche und östliche Mittelmeer mit 26 bzw. 16 Prozent. Bemerkenswert ist zudem die bundesweite Herkunft der Fährkunden. Entgegen gängiger Annahmen stammt die Nachfrage nicht nur aus Norddeutschland: Reisende aus allen Teilen des Landes – von Nordrhein-Westfalen über Süddeutschland bis in den Osten der Republik – nutzen die Fähre als Verkehrsmittel für ihre Urlaubsreisen.
„Die Ergebnisse zeigen sehr deutlich, dass sich der Fährtourismus in den vergangenen Jahren strukturell weiterentwickelt hat“, sagt Jana Dott, Vorsitzende der Geschäftsstelle des Verbands der Fährschifffahrt und Fährtouristik (VFF). „Fährreisen sind heute eine bewusste Reiseentscheidung – jung, digital, qualitätsorientiert und bundesweit nachgefragt. Neben Preis und Route spielen zunehmend auch Bordqualität und Nachhaltigkeitsaspekte eine Rolle. Das zeigt, dass Reisende die Fährüberfahrt immer stärker als integralen Bestandteil ihres Urlaubs verstehen.“
Auch das Buchungsverhalten hat sich weiterentwickelt. Die Mehrheit der Reisenden bucht heute kurzfristiger, in der Regel innerhalb von drei Monaten vor Abreise. Bevorzugt werden digitale Direktbuchungen bei den Reedereien sowie spezialisierte Fährportale; Suchmaschinen sind die wichtigste Informationsquelle.
Insgesamt zeigt die Studie deutlich: Fährreisen haben sich zu einem stabilen Segment im deutschen Reisemarkt entwickelt. Jung, digital, qualitätsbewusst und bundesweit relevant – der Fährtourismus bietet neue Potenziale für Produktentwicklung, Marktbearbeitung und nachhaltige Mobilitätskonzepte.
Die Studie wurde durchgeführt vom Institut für Tourismus und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT) anhand 2.057 Online-Interviews (2021: 2.099) unter deutschen Bundesbürgern im Alter von 18 bis 75 Jahren im November 2025.




