Medienmacher geben im MEDIA DELPHI 2017 Prognosen zur diesjährigen Medienagenda ab / Bundestagswahlen und neue Medien ebenso im Blickpunkt der Berichterstattung wie VW und das Thema Nationalismus / Böhmermann vor Diekmann. Die Möglichkeiten und Gefahren der sozialen Medien werden nach Einschätzung der Journalisten eine zentrale Rolle im Medienjahr 2017 spielen. Ob Trump, Fakenews, Zuckerberg oder das Thema Rechtsruck: Facebook, Twitter und Co. sind laut Media Delphi 2017 sowohl Quelle als auch Objekt einer Vielzahl von zu erwartenden Beiträgen in Radio, Internet, TV und Print. Die medial wichtigsten Personen sind in diesem Jahr in der Politik demnach US-Präsident Donald Trump, in der Wirtschaft Facebook-Gründer Marc Zuckerberg, in der Kultur Schauspieler Brad Pitt, im Sport Trainer Jogi Löw und in der Medienlandschaft selbst wie bereits 2016 Multitalent Jan Böhmermann.
Das ist das Ergebnis des MEDIA DELPHI 2017 Deutschland, einer von der Medienkontaktplattform Recherchescout durchgeführten Befragung von mehr als 160 Journalisten. Hier geht’s zu den Ergebnissen: http://www.recherchescout.com/media-delphi-2017/
Thematisch wird die Bundestagswahl mit 75,5 Prozent als der dominierende Gegenstand der Berichterstattung eingestuft. Auf Platz 2 mit 74,8 Prozent und nur knappem Abstand folgt laut Vorhersage die Berichterstattung zu den Entwicklungen in den USA. Auf Platz 3 der Agenda sehen die Journalisten mit 60,7 Prozent bereits den Themenbereich „Kampf ge¬gen Terror/Innere Sicherheit“, den Medienmacher im Jahr 2015 auf Platz 1 und im Jahr 2016 auf Platz 2 gewählt hatten. Auch der Rechtsruck wird die Redakteure ihren Erwartungen zufolge beschäftigen. Mit 58,3 Prozent belegt das Thema „Nationalismus/Rechtspopu¬lismus“ den vierten Rang. Der Themenbereich „Flüchtlingskrise/Integra¬tion“, der 2016 die Rangliste angeführt hatte, belegt im diesjährigen Ranking mit 43,6 Prozent Platz 5.
Der Blick auf die weitere Agenda zeigt laut Recherchescout, dass es deutliche Verschiebungen bei der Rangfolge gibt. Platz 6 etwa belegt das Thema „Entwicklungen in der EU“ (28,8 Prozent). Mit 28,2 Prozent folgt die Materie „Fakenews“. Damit räumen Medienmacher einem Thema viel Platz ein, dass sie selbst in mehrerlei Hinsicht betrifft. „Nie war es für Journalisten in Zeiten vielfältiger Einschränkungen der Pressefreiheit und alternativer Publikationsplattformen wichtiger und schwieriger, mit ihrer täglichen Arbeit Vertrauen aufzubauen und Glaubwürdigkeit zu beweisen. Und nie haben sich die Medien auch in Ländern mit funktionierenden Demokratien so gezielten und massiven Angriffen auf ihre Glaubwürdigkeit von aktiven Politikern ausgesetzt gesehen wie in den vergangenen – und vielleicht in den kommenden – Monaten“, sagt Martin Fiedler, Geschäftsführer der Recherche-Scout GmbH. Der ehemalige Journalist rechnet jedoch damit, dass journalistische Medien in den nächsten Monaten ihren Wert für die Gesellschaft beweisen und Journalisten auf dieser Basis Selbstvertrauen zurückgewinnen können.

Abgasskandal bleibt in den Zeitungsspalten
Der Finanzkrise werden Redakteure nach Prognosen der befragten Medienmacher 2017 deutlich weni¬ger Platz einräumen als 2015 oder 2016 – auch wenn es in diesem Jahr um Griechenland, Brexit und die Folgen gehen wird. In der Wirtschaftsberichterstattung erwarten Journalisten den Volkswagen-Konzern mit 72 Prozent an der Spitze. Bereits 2016 hatte sich VW mit dem Abgasskandal im Media-Delphi in Führung gefahren (knapp 70 Prozent). Spannung in jeder Hinsicht versprechen auch ausgewählte Politiker. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die im vergangenen Jahr nicht nur von den deutschen Journalisten als führende Schlagzeilenlieferantin gesehen, sondern vom Time Magazine zur wichtigsten Person des Jahres gewählt wurde, wird trotz des Bundestagswahlkampfs nur von 77,8 Prozent der befragte Medienmacher genannt, wenn es um die Person mit der größten medialen Ausstrahlung geht. Deutlich vor ihr landet in diesem Jahr US-Präsident Donald Trump mit 95,7 Prozent. Wie im Vorjahr geht der Platz hinter Merkel an den russischen Präsidenten Wladimir Putin, der damit unter den Top 3 liegt (2015 erster Platz, 2016 zweiter Platz). Herausgehobene Rollen werden den Erwartungen der Journalisten zufolge ebenso der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (50,6 Prozent) und der sozialdemokratische Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, Martin Schulz (45,7 Prozent) spielen.
Viel Blitzlicht für Gosling, Löw und Böhmermann
Unter den Wirtschaftsbossen darf sich Facebook-Gründer Marc Zuckerberg wie bereits 2015 und 2016 auf die meiste Sendezeit und die meisten Beiträge gefasst machen (61,8 Prozent). Auf Platz 2 folgt Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank EZB, mit 59,6 Prozent. Auf den dritten Platz fährt im Ranking Tesla-Boss und neuerdings Weltraumeroberer Elon Musk vor. Ob in Sachen Ehekrieg oder Leinwanderfolg, das geht aus dem Media Delphi 2017 nicht hervor, aber Fakt ist: Deutsche Medienmacher sehen den Schauspieler Brad Pitt auf Platz 1 des medialen Olymps im Bereich Kultur. Im Media Delphi 2017 kommt Pitt auf 50,4 Prozent. Kollege Jonny Depp, der 2017 mit dem Film „Pirates of the Caribbean 5“ im Kino zu sehen sein wird, wurde mit 41,9 Prozent auf Platz 2 gewählt. Platz 3 nimmt ebenfalls ein Schau¬spieler ein – Ryan Gosling (34,1 Prozent), ob es sich dabei – Stichwort Gosling-Gate – um den richtigen handelt, bleibt abzuwarten.
Wenn es nach den Erwartungen der Journalisten geht, dann leuchtet in diesem Jahr kein Sportler-Stern wirk¬lich hell am Medienhimmel. Die meisten Schlagzeilen erwarten die Redakteure von Fußballtrainern – allen voran von Jogi Löw, der das Delphi 2017 mit 63 Prozent anführt. Jan Böhmermann steht mit seiner polarisierenden Mischung aus Satire, Journalismus, Kunst und Politik auch 2017 ganz oben in der Media Delphi-Rubrik Medien. Nachdem er bereits 2016 auf Platz 1 gewählt wurde, erhält der mehrfache Preisträger in diesem Jahr mit 61,3 Prozent ebenfalls die meisten Nennungen. Kai Diekmann, weiterhin Ex-Chefredakteur bei Bild und Ex-Bartträger, verteidigt 2017 mit 42 Prozent seinen zweiten Platz unter den Medienleuten. Platz 3 des Rankings, im Vorjahr mit Oliver Welke besetzt, geht 2017 an Edward Snowden mit 34 Prozent.

