von Gisela Reller

TITANIC Resorts & Hotels eröffneten im März 2011 das erste Hotel in Deutschland

Ich bin ein bisschen zu früh und warte im anheimelnden Foyer des Comfort-Hotels TITANIC auf meine Hotel-Stammtisch-Kollegen. Da fällt mir ein junger Mann auf, der sich gleichermaßen ungezwungen-herzlich mit Hotelgästen wie Hotelangestellten unterhält. Angenehm überrascht erfahre ich, dass dies Aytac Aygün ist, der türkische Managing Director des neuen Hotels am Berliner Spittelmarkt und Geschäftsführer der Berliner Unternehmungen der türkischen TITANIC Resorts & Hotels-Gruppe, der inzwischen sechs HASIR-Restaurants gehören. Aytac Aygün, 24 Jahre alt, in Berlin geboren, sagt: „Wir freuen uns, den Berlinern und ihren Gästen mit unseren Restaurants türkische Gastfreundschaft zu demonstrieren. Mit unserem ersten Berliner TITANIC-Hotel wollen wir diese Gastfreundschaft auch im Hotelbereich ausüben. Eigentlich, gesteht mir Aytac Aygün habe er Kinderarzt werden wollen, sich aber dem Wunsch seines Vaters gebeugt, ins Hotelfach einzusteigen, was er keinen Moment bereut habe. Gerade hat er in der Schweiz seinen Bachelor im Hotelmanagement gemacht. „Die Aygüns“, sagt er, „sind eine sehr fleißige Familie, die wie Pech und Schwefel zusammenhält.“

Die Aygüns, das sind sechs Brüder, von denen drei in der Türkei geblieben sind und drei nach Berlin auswanderten. In der Türkei betreiben die dort gebliebenen Brüder inzwischen fünf exquisite Hotels in Istanbul und ein Luxus-Ferienhotel in Antalya; das Flaggschiff ist ein 600-Betten-Luxushotel, gebaut wie ein Ozeanliner, der „Titanic“ nachempfunden. Aber auch die Brüder in Berlin waren nicht müßig. Sie eröffneten in den siebziger Jahren in Kreuzberg ein Restaurant, das heutige Hazir-Stammhaus. Aytacs Vater mundete in Berlin besonders der „Hamburger“ (auch „Burger“ genannt, ein Weichbrötchen, meist belegt mit Rinderhackfleisch). Kurzerhand „übersetzte“ Vater Mehmet den „Hamburger“ ins Türkische, geboren war der „Döner im Fladenbrot“. Leider hat er sich seine Erfindung nicht patentieren lassen, und so steht bei WIKIPEDIA nur namenlos, dass die „in Deutschland übliche Variante des Dönerkebap im Fladenbrot in einer türkischen Gaststätte `erfunden´“ wurde.

Aber zurück zum TITANIC-Comfort Hotel“ in Berlin-Mitte zwischen Alexanderplatz und Potsdamer Platz. Hier warten 226 Nichtraucher-Zimmer auf preisbewusste Businesskunden und Touristen. Die mit Titanic-Bilder geschmückten Räume sind zwischen 13 und 20 Quadratmeter „schiffskajüten-klein“ – wie ich finde. Hotel-Direktor Aygün meint dazu, dass Geschäftsleute und Touristen keinen Schnickschnack brauchen, sondern eine zentrale Lage (Der Flughafen Tegel ist 10 Kilometer entfernt, der Hauptbahnhof 5, das Kongresszentrum 10, die U-Bahn 100 Meter, das Stadtzentrum 500 Meter; berühmte Sehenswürdigkeiten wie der Checkpoint Charlie, der Gendarmenmarkt, die Museumsinsel… sind nur zehn Gehminuten entfernt.), eine praktisch-komfortable Zimmerausstattung (mit Schreibtisch, Flachbildschirm, Haartrockner, Internetzugang, Klimaanlage), Essen und Trinken (ein mediterranes Frühstücksbuffet, außerdem vegetarische und Diabetikerkost, eine bis 24 Uhr geöffnete Bar). Besonderen Wert habe man auf Betten und Matratzen gelegt, auf einen Behinderten-Fahrstuhl, auf einen Hotelparkplatz… Die Bewertung der Hotelgäste im Internet ist ausgesprochen positiv, das Frühstück wird als „traumhaft“ bewertet, aber „Die Zimmer sind ein bisschen sehr klein, für ein bis zwei Nächte jedoch ausreichend“.

Das TITANIC-Hotel in Berlin, darauf legt Aytac Aygün besonderen Wert, ist zwar das Hotel einer türkischen Gruppe, aber kein türkisches Hotel. „Wir sind ein europäisches Haus, in dem Gastfreundschaft und Service ganz groß geschrieben werden.“ Zum ersten TITANIC-Hotel in Deutschland wird sich 2012 ein weiteres TITANIC-Hotel gesellen – im ehemaligen Werkstattgebäude der Staatsoper. Architekten sind Patzschke & Partner, die das Hotel „Adlon“ wiederaufgebaut haben. Und auch in Istanbul ist ein weiteres Hotel geplant.

Die Aygüns scheinen nicht nur besonders fleißig zu sein, sondern sie sind auch besonders mutig. Wie sonst ist es zu erklären, dass sie ihre Hotelkette nach einem untergegangenen Schiff benennen. Nicht an den Untergang der „Titanic“ solle der Hotelname erinnern, erklärt der Hotelchef, sondern daran, dass dieses größte Schiff der Welt neue Maßstäbe im Reisekomfort gesetzt habe — übrigens war es u. a. ausgestattet mit einem luxuriösen Türkischen Bad.

Ich bin sicher, das das Luxushotel am Gendarmenmarkt nur der vorläufige Höhepunkt dieser deutsch-türkischen Erfolgsgeschichte sein wird, an deren Anfang der „Döner im Fladenbrot“ stand.

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