In diesen Tagen kommen täglich, ja fast stündlich Hiobsbotschaften aus dem Nachrichtenticker. Bis jetzt waren noch keine großen oder kleinen Tourismusunternehmen betroffen – aber wie sieht es in der Zukunft aus ? Der noch amtierende Berliner Tourismus-Chef Hanns Peter Nerger sieht sein großes Ziel 20 Millionen Übernachtungen in Berlin im Jahre 2010 stark in Gefahr, wie er der Bild-Zeitung in einer Stellungnahme bestätigte. Im Jahr 2000 hat Berlin die 10 Millionen Grenze überschritten. Nur noch Paris mit 33 Millionen und London mit 65 Millionen Übernachtungen haben mehr zu bieten.
Im Jahr 2007 kamen 7,6 Millionen Hotelgäste aus dem In-und Ausland und blieben im Schnitt 2,3 Tage, das sind 17,3 Millionen Übernachtungen. Zum heutigen Tag gibt es in der Hauptstadt 97.000 Hotelzimmer und diese sind zu 65-72 Prozent ausgelastet. Ende 2009 sollen dann über 100.000 Hotelzimmer auf Gäste warten. Allein 26 Hotels sind aktuell in der Bauphase. Nach Nergers Aussage werden die Deutschen auch in schwierigen Zeiten bei ihrer Haupturlaubsreise im Sommer nicht sparen, aber die zweite und dritte Lifestyle-Reise in eine Stadt ist dann sehr fraglich. Erste Anzeichen dafür sind die Prognosen der Airlines die verhalten sind, ausserdem buchen Kongresse billigere Hotels und weniger Service. Aus Berlins wichtigstem Markt Großbritannien (27 542 Gäste), kamen im August schon weniger ( -0,4 %) und aus den USA (19 196) war ein Minus von 10 Prozent zu erzeichnen.
Hanns Peter Nerger kann eigentlich froh sein, verlässt er doch am Jahresende seinen Posten und somit seine Verantwortung für den Berliner Tourismus. Auf die Ideen und Maßnahmen seines Nachfolgers darf man in diesen kritischen Zeiten besonders gespannt sein. Vielleicht gelingt es ihm ja sogar aus der BTM wieder ein schlagkräftiges Instrument für die Berlin-Werbung zu machen. Viele Hoteldirektoren und –Eigentümer verstehen so manche Zahlen aus der BTM-Zentrale nicht so ganz, wenn sie ihre eigenen Zahlen, zum Beispiel bei der Auslastung ihrer Häuser mit den offiziellen BTM-Zahlen vergleichen. Insider sprechen in Berlin von einer durchschnittlichen Auslastung von gerade mal knapp über 50 Prozent! Auch die mittelständischen Unternehmen im Tourismus hoffen auf einen Wechsel an der BTM-Spitze. Sie waren jedoch in den vergangenen Jahren immer mehr aus dem Blickfeld und damit aus der Unterstützung durch die BTM verschwunden.
Nicht nur der Chef Hanns Peter Nerger selbst, auch seine leitenden Mitarbeiter waren von dem „weissen Einstecktuch“ und den „ Balerina-Schühchen“ angesteckt. So gibt es mittelständische Unternehmen die seit Monaten auf die „Gnade“ eines Gespräches mit der BTM warten. Obwohl sie nur kooperieren wollen und der BTM sogar kostenlose Unterstützung angeboten haben. Auch die Ostberliner Touristiker werden sich hoffentlich freuen können und erwarten das der neue BTM-Chef auch mal nach Ostberlin kommt. Hanns Peter Nerger hat es ja jahrelang aus Termingründen nicht geschafft ? So bieten sich für den neuen BTM-Chef gleich mehrere Möglichkeiten sich in dieser Position zu bewähren. Die Auswirkungen der Finanz-und Wirtschaftskrise müssen bekämpft werden, das gesamte Team muss eine neue Einstellung bekommen und auch die Mittelständler und der Osten der Stadt müssen erreicht werden. Nach einer längeren Einarbeitungszeit muss nun auch ein frischer Wind wehen – aber das kennt der neue Chef ja aus seinem vorherigen Job – auch die Luftfahrt und die Flugplätze kämpfen mit dem Wind.

