12.00 Mitteleuropäischer Zeit: “Guten Morgen Frau Bundeskanzlerin, guten Morgen, verehrte Fluggäste.” Der Flugzeugkommandant begrüßt die Kanzlerin und die Mitreisenden auf dem Flug nach Lateinamerika. Wie stets auf diesen großen Reisen ist der Airbus 310 bis auf den letzten Platz gefüllt. Eine große Delegation begleitet die Kanzlerin nach Lateinamerika: Vorn bei ihr sitzen ihre engsten Berater aus Kanzler- und Bundespresseamt, dazu Staatssekretäre aus Bundeswirtschaftsministerium und Auswärtigem Amt sowie Bundestagsabgeordnete. Ebenfalls mit an Bord: Eine Wirtschaftsdelegation – diesmal überwiegend aus mittelständischen Unternehmen – und Journalisten von TV, Radio und Printmedien.

Die meisten zücken sofort die kleinen DIN A 6-Programme – die “Bibel” jeder Kanzlerreise. Das Protokoll des Auswärtigen Amtes hat hier im Minutentakt die Reise der Bundeskanzlerin geplant und aufgeschrieben: 15:50 Uhr Zwischenlandung, 17:50 Uhr Weiterflug nach Brasilia, 22:00 Uhr Ortszeit Ankunft am Flughafen „Presidente J. Kubischek“. Nicht die kleinste Einzelheit bleibt dem Zufall überlassen.

Auf dem Flug macht die Delegation Bekanntschaft mit einem kleinem Inselstaat mitten im Atlantik: Zum Tanken stoppt der Bundeswehr-Airbus in Sal auf den Kapverdischen Inseln. Zwei Stunden Stippvisite – und die Finanzministerin des souveränen Staates nutzt die Gelegenheit, die Bundeskanzlerin zu einem kurzen Gespräch zu treffen.

Statement vor dem Frühstück

Eine Herausforderung für die Berichterstatter sind die fünf Stunden Zeitverschiebung zwischen Brasilien und Deutschland. Bei der Ankunft ist es in Deutschland drei Uhr morgens – keine gute Zeit, um aktuelle Nachrichten abzusetzen. Was nicht bis vormittags Ortszeit “im Kasten” ist, schafft es in Deutschland nicht mehr in die Abendnachrichten. Daher bitten die Medienvertreter noch um einen “O-Ton” am frühen Morgen. Soll heißen: Die Bundeskanzlerin soll noch vor dem Frühstück ein Statement für die mitreisenden Kameraleute abgeben (wofür auch die schreibenden Journalisten dankbar sind).

“Wir versuchen es zu arrangieren”, verspricht die Mitarbeiterin des Bundespresseamtes. Doch schließt sich gleich das Folgeproblem an: “Schaffen wir es, das Material zu überspielen?”, will ein Kameramann wissen. Das wird zu knapp, die Journalisten müssen dann schon mit dem Bus zum Präsidentenpalast. Auch die Korrespondenten vor Ort können die Kassette nicht abholen. Sie müssen schon vorfliegen nach Lima – dort findet am nächsten Tag der EU-Lateinamerika-Gipfel statt. “Wir kümmern uns, dass jemand aus der Botschaft die Kassette wegbringt”, verspricht die Mitarbeiterin. So wird es dann gemacht – und das Statement der Kanzlerin kann in Deutschland gesendet werden.

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