Präsident Lula war auch am dritten Reisetag der Kanzlerin noch präsent – zumindest mental: Denn als Angela Merkel das Werk von VW do Brasil besuchte, hatte sie wie die gesamte Delegation noch im Kopf, was der brasilianische Staatschef am Tag zuvor berichtet hatte: Dass er selbst einst als Schlosser und Gewerkschaftsfunktionär dort gearbeitet hat. Und wie ihn die soziale Marktwirtschaft, das deutsche Mitbestimmungsmodell und die deutsche Unternehmenskultur beeindruckt haben: “Unternehmen, die die Gehälter zahlen und das Einkommensniveau verbessern.”

Jedenfalls ist das Einkommensniveau in Sao Paulo so weit verbessert, dass beim Besucher der Eindruck entsteht: So ziemlich jeder Paulistaner scheint sich mit dem Auto fortzubewegen. Oder es zumindest zu versuchen – denn die Straßen der 10-Millionen-Metropole sind chronisch verstopft. Schon an normalen Tagen kommen im Berufsverkehr die Fahrzeuge kilometerweit nur im Schritttempo voran. Und wenn dann noch im Stadion der FC Sao Paulo gegen Rio Fluminense spielt und ein schwerer Unfall eine Hauptmagistrale blockiert, dann können nicht einmal Motorradeskorte und Blaulicht verhindern, dass selbst eine deutsche Bundeskanzlerin Stau stecken bleibt.

Als die Kanzlerin bei VW do Brasil das neue “Virtual Reality Center” besuchte, griff sie jedenfalls ihre Eindrücke der nicht virtuellen, sondern echten paulistaner Realität auf: Computeranimiert und in Originalgröße war ein neues Automodell auf freier Straße zu sehen. Kommentar der Kanzlerin: “Wenn Sie jetzt da noch den Verkehr simulieren…”

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