Auswärtiges Amt hebt pauschale Reisewarnung auf – de facto bleibt fast alles beim Alten
Erneut hat die Bundesregierung die weltweite Reisewarnung pauschal für über 160 Länder weltweit verlängert – diesmal befristet bis zum 30. September. Ab 1. Oktober soll die pauschale Reisewarnung aufgehoben und weltweit durch differenzierte Reise- und Sicherheitshinweise ersetzt werden.
„Das ist ein zaghafter Schritt in die richtige Richtung, da die pauschale Warnung durch einzelne Reisehinweise ersetzt wird. Faktisch ändert sich für die Kunden und die Reisewirtschaft leider nur wenig. Es bleibt die Ungewissheit, wann wieder gereist werden kann und wann Unternehmer und Beschäftigte wieder etwas für ihren Lebensunterhalt verdienen können“, sagt der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Norbert Fiebig, im Hinblick auf rund drei Millionen Beschäftige in der deutschen Reisebranche und Hunderttausenden von Urlaubern.

Norbert Fiebig

Denn auch nach dem 1. Oktober wird für fast alle Länder weiterhin eine Reisewarnung bestehen. „Wenn Reisen weiterhin so stark eingeschränkt bleiben, gefährdet die Bundesregierung massiv Arbeitsplätze in unserer exportorientierten Wirtschaft“, richtet DRV-Präsident Fiebig einen eindringlichen Appell an das Auswärtige Amt und die gesamte Bundesregierung, nach dem 1. Oktober ganz genau auf einzelne Länder, Regionen, Gemeinden und Orte zu schauen und sehr dezidiert das Infektionsgeschehen in diesen jeweiligen Regionen und Landstrichen zu betrachten. Nur diejenigen Orte und Landkreise, die den Grenzwert des RKI überschreiten, sollten als Risikogebiet ausgewiesen werden und somit dann auch mit einer Reisewarnung belegt sein – der Rest einer Region eines Landes nicht. „Hier müssen den Ankündigungen der Bundesregierung jetzt auch zeitnah Taten folgen“, so DRV-Präsident Fiebig. „Das Auswärtige Amt muss bei den Reisewarnungen unbedingt Augenmaß behalten.“

Reisende brauchen valide, genaue Informationen, um verantwortungsvoll entscheiden zu können. Die Bundesregierung müsse hier mit dem feinen Skalpell vorgehen und nicht mit dem groben Schlachtmesser, um entsprechend festzulegen, was können Reiseveranstalter noch anbieten und wohin können Urlauber noch reisen – immer unter der Prämisse, dass Gesundheit oberste Priorität hat.

Von diesen Entscheidungen sind nicht nur Urlauber betroffen, sondern auch hunderttausende von Geschäftsreisenden. Persönliche Treffen mit Geschäftsabschlüssen bleiben quasi unmöglich. Eine ökonomische Erholung der Weltwirtschaft wird aber ohne Geschäftsreisen nicht möglich sein. Nicht zu vergessen, den unglaublichen Schaden, den dies in den Zielgebieten anrichtet.

Das kontinuierliche Urlauber-Bashing aus der Politik ist für den Präsidenten des DRV wenig faktenbasiert und nicht akzeptabel: „Hier werden Urlauber, die einfach eine entspannte Zeit in ihrem Urlaubsland verbringen möchten, mit Reiserückkehrern gleichgesetzt, die ihre Familien und Freunde in ihren Heimatländern besucht haben. Und wie wir alle gelernt haben, ist die Ansteckungsgefahr bei Familienfeiern – egal ob in Deutschland oder im Ausland – mit am höchsten. Diese unreflektierten Aussagen verunsichern zusätzlich und erschweren den dringend notwendigen Erholungsprozess der Wirtschaft unnötig.“

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