Auf der Insel „Phillip Island“ (Süd-Australien) ist die sogenannte „Pinguin Parade“ eine der beliebtesten Touristenattraktionen Australiens, bei denen wild-lebende Tiere im Mittelpunkt stehen. Das Wildreservat selbst und die Menschen in der Umgebung können bereits auf eine über 100-jährige Geschichte des Lernens und Verbesserns der Beziehung zwischen Menschen und Tieren zurückblicken, in der die Tiere selbst nicht immer im Vordergrund standen. Dies könnte in gewisser Weise das schwierige Verhältnis zwischen Menschen, Natur und Tierwelt zu Beginn des 20. Jahrhunderts symbolisieren. Kurz vor dem Aussterben konnten die Ranger des Reservats die wilden Tiere durch eine Grundsatzänderung der Regierung in den 1980er Jahren retten.

Im frühen Industriezeitalter war Phillip Island ein Paradies für alle ansässigen Tierarten, einschließlich verschiedener Pflanzen, die in der Region wuchsen. Mit der Landung der Europäer zu Beginn des 20. Jahrhunderts und aufgrund unterschiedlicher lokaler Entscheidungen ging die Zahl aller Tiere auf Phillip Island langsam, aber stetig zurück. Diese Entwicklung betraf auch die seit Jahrhunderten auf der Insel lebenden Pinguine.

Die Situation zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Die neuen „westlichen Eindringlinge“ schufen 1927 bspw. das Summerland-Wohngebiet auf Phillip Island, welches in 774 Parzellen auf der ganzen Halbinsel aufgeteilt war. Zu seiner Blütezeit bestand das Wohngebiet aus insgesamt 183 Häusern, einem Motel, einem Gemischtwarenladen und einem Muschelmuseum. Die intensive Nutzung des Landes führte mittelfristig zu einem gestörten Gleichgewicht bei der Erhaltung der Pinguinkolonien. In den folgenden Jahrzehnten sank die Zahl der Zuchttiere langsam und damit auch die Zahl am Abend in die Behausungen zurückkehrenden Pinguine. Forschungen in der Region aus den 1970er und 1980er Jahren zeigten deutlich, dass die rückläufigen Populationszahlen ein lang-anhaltendes Ergebnis menschlicher Besiedlung war. Es wurde prognostiziert, dass die ansässige Pinguinkolonie aussterben würde, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen würden. Angesichts dieser unglaublichen Zahlen wurde 1985 die Entscheidung getroffen, Maßnahmen für einen pro-aktiven Tierschutz zu ergreifen. Unter Aufsicht von Hon. Joan Kirner wurde noch im selben Jahr das historische „Summerland-Rückkaufprogramm“ angekündigt. Die neue Entwicklung wurde durch die Finanzierung von 48,2 Millionen AUS-Dollar durch die Andrews Labour Government ermöglicht, zusammen mit einem Beitrag von 10 Millionen US-Dollar von Phillip Island Nature Parks, einer eigenfinanzierten, nicht gewinnorientierten Organisation. Infolge dieser Änderung wurde das letzte der Häuser im Jahr 2010 entfernt und die Summerland-Halbinsel wurde offiziell an die Tiere zurückgegeben. Heute beherbergt Phillip Island Australiens größte Pinguinkolonie mit mehr als sechs Hektar wiederhergestelltem Pinguinlebensraum für weitere 1.400 Brutpinguine.

Das aufregende Leben eines Pinguins mit Kindern erleben

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Neues Besucherzentrum & Umgebung

Mit dem neuen Raum auf der Halbinsel Summerland wurde neben der Wiederherstellung des Landes das erste Besucherzentrum geplant, um eine bessere Grundlage für die Umsiedlung der Tiere und ihres natürlichen Lebensraums zu schaffen. Dieses Besucherzentrum wurde für ca. genutzt. 30 Jahre und endlich war die Entscheidung gefallen, dass es vor Ort eine komplette Erneuerung geben sollte – ein neues Besucherzentrum war geplant.

Das neue Besucherzentrum wurde am 25. Juli 2019 eröffnet. Dieses neue Zentrum wurde nicht nur als neue Residenz für die Besucher geplant, das neue Zentrum sollte auch darüber hinausgehen, um die Bedeutung der Tiere als Teil der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung zu demonstrieren in dieser Gegend. Das neue Zentrum wurde entworfen, um der ganzen Familie die Möglichkeit zu bieten, interaktive Aktivitäten durchzuführen, um das Leben der kleinen Kreatur und ihr aufregendes Leben mit filmischen Projektionen, einer Vielzahl von unterhaltsamen und interaktiven Interpretationsaktivitäten, einem Theater und einem Bildungstrakt zu erkunden um mehr über das Leben der Pinguine zu erfahren.

Mit dieser neuen Einrichtung sowie dem Verbot von Einweg-Kunststoffen in den Lebensmittelgeschäften ist dies ein zusätzlicher Schritt in Richtung Erhaltung der Region und der natürlichen Tierwelt. Ein weiterer Grund hierfür ist, dass Pinguine direkt von allen Arten an Kunststoffen betroffen sind, welche über verschiedene Wasserwege in den Ozean führen.

Von 2017-2019 wurden insgesamt mehr als 26.000 Pflanzen auf dem Gelände und in der Umgebung des Wildtierreservates gepflanzt, bei denen es sich hauptsächlich um Feuchtgebiete, Dünen und Landzungen handelt. Dadurch wird es wieder ermöglicht, dass Landschaft, Umwelt und Tiere die Helden in diesem ökologisch sensiblen Gebiet sein können. Um diese immense Menge an Pflanzen zu erreichen, sammelten Freiwillige unter der Leitung von Barb Martin Bushbank lokales Saatgut und züchteten die Sämlinge. Insgesamt wurden bei dem Projekt Zehntausende einheimischer Pflanzen verwendet. In einer zweitägigen Blitz-Aktion gelang es 50 Naturparkmitarbeitern und weiteren Freiwilligen, eine atemberaubende Menge von 3.000 Gräsern und Kletterpflanzen, sowie 85 Bäume zu pflanzen. Dazu kamen 233 Pinguin-Nistkästen. Das gesamte Bauvorhaben erforderte aufgrund des sensiblen Charakters des Geländes und seiner kleinen Bewohner eine sorgfältige Inszenierung und Planung.

Die Penguine kehren abends heim

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Was macht das neue Besucherzentrum so besonders?

Das neue Besucherzentrum der Pinguin-Parade ging aus dem früheren Parkplatz hervor. Auf dem Dach wurden 666 Solarmodule mit einer Leistung von insgesamt 206.440 kW installiert, um sich auf erneuerbare Energiequellen zu konzentrieren. Ein Wasserfiltersystem recycelt Regenwasser für nicht trinkbare Zwecke und das Gebäude selbst verfügt über eine verbesserte Dach- und Bodendämmung sowie doppelt verglaste Fenster. Während des gesamten Baus des Zentrums wurden kohlenstoffarme Baumaterialien verwendet, einschließlich nachhaltig bezogenem viktorianischem Eschenhartholz für die beeindruckenden Laminatbalken. Während des gesamten Projektverlaufs wurden über 85% aller Bauabfälle erfolgreich recycelt und von der Deponie abgeleitet. Darüber hinaus wurde das Design des Besucherzentrums bei den International Architecture Awards 2019 unter mehr als 380 Einreichungen aus 41 Ländern als Gewinner bekannt gegeben.

„Umweltaspekte standen im Verlauf dieser Entwicklung an erster Stelle und haben alle unsere Handlungen und Entscheidungen beeinflusst, während wir auf unser letztendliches Ziel hinarbeiten, dass die Naturparks CO2-, Energie- und Abfallneutral werden.“

Während der Einrichtung des neuen Besucherzentrums wurden in einem Umweltmanagementplan die Maßnahmen zur Minderung der Auswirkungen auf wild lebende Tiere und den umgebenden Lebensraum vor, während und nach Abschluss der Entwicklung dargelegt und tägliche Tierbesichtigungen durchgeführt.

Die Sicht auf die Pinguine aus dem Untergrund

Im Untergrund der Penguin Parade

Was den Park und seine Tiere heute auszeichnet:

Wenn Sie jemals die Möglichkeit haben werden, sich in der Metropolregion von Melbourne aufzuhalten, sollten Sie die kleinen Pinguine auf Phillip Island unbedingt besuchen. Wenn Sie den Ort betreten, werden Sie sich in einer fast verloren Welt widerfinden, welche sich speziell auf die Bedürfnisse der kleinen Kreaturen konzentriert. Sie haben außerdem die Möglichkeit, Teil der Pinguine und ihres Alltags zu sein. Die Pinguine werden täglich bei der Ankunft gezählt, was für die Anwohner jeden Tag ein kleines Highlight ist. Es scheint fast so, als wären die kleinen Kreaturen zu einer Symbolfigur der Region geworden, zumindest scheinen die Bewohner sehr stark mit den Tieren verwurzelt zu sein.

An den verschiedenen Berührungspunkten versuchen die Ranger sorgfältig zu erklären, was die Besucher sehen, wenn die Tiere in riesigen Wellen aus dem Wasser steigen. Und sie informieren auch darüber, wie sich die Besucher gegenüber den Tieren verhalten sollen, da die Tiere fast keine Scheu haben, sich den Besuchern auf den Tribünen zu nähern. Der Grund dafür ist, dass sich die Tiere im Laufe der Jahre an die Menschen und ihre Nähe gewöhnt haben. Besonders Kinder kommen hierbei auf ihre Kosten, wenn die Ranger aus erster Hand vom Umgang mit den Tieren erzählen. Direkt nachdem die Tiere in ihre Nester und Häuser zurückgekehrt sind, sind die Ranger damit beschäftigt, alle Details über die kleinen VIPs zu erklären. Genau jetzt können Sie den Stolz der Ranger sehen, Teil dieses einzigartigen Projekts in Australien zu sein. Der Park arbeitet zudem seit Jahren mit dem WWF Australia zusammen.

Für weitere Informationen: website of Visit Melbourne

Im Besucherzentrum der Penguin Parade

Im Besucherzentrum der Penguin Parade

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