Mittelstandsverband kritisiert Tatenlosigkeit der Bundesregierung bei Insolvenzabsicherung. Die Allianz Selbständiger Reiseunternehmen – Bundesverband e.V. (asr) sieht eine Mitverantwortung für den Niedergang der Germania bei der Bundesregierung in Berlin. Die Fluggesellschaft hatte in der Nacht den Betrieb eingestellt und Insolvenz angemeldet.
“Unser Mitgefühl gilt zum einen den 1.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die jetzt auf der Straße stehen und zum anderen allen Reiseveranstaltern und Reisebüros, die jetzt mit erheblichen Mehrkosten und hohem Beratungsaufwand konfrontiert werden“, fasst asr-Präsident Jochen Szech die Gefühle der Verbandsspitze zusammen, kritisiert jedoch die Bundesregierung scharf.

“Das war ein Untergang mit Ansage: Nachdem es trotz langjähriger Forderungen des asr noch immer keine Insolvenzabsicherungspflicht für Fluggesellschaften gibt, waren Veranstalter und Reisebüros gezwungen, nach Bekanntwerden der ernsthaften Liquiditätsprobleme der Germania gezielt auf andere Fluggesellschaften umzusteuern.“ Das habe die Entwicklung beschleunigt.

Der Mittelstandsverband kritisiert, dass die zentrale Forderung des asr nach einer Insolvenzabsicherungspflicht für Fluggesellschaften – der sich nach der Air Berlin-Insolvenz 2017 auch Verbraucherschützer und andere Verbände angeschlossen hatten – von der Politik nach wie vor verschleppt werde. Erst vor wenigen Wochen hatte die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag dem asr mitgeteilt, dass die Bundesregierung eine Lösung auf europäischer Ebene erwirken wolle und nur „notfalls Handlungsnotwendigkeiten auf Bundesebene erörtern werde“.

Jochen Szech

Der asr-Präsident sieht daher eine Teilschuld an der Insolvenz der Germania bei der Bundesregierung: „Die Politik hat es über viele Jahre versäumt, rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Zahlungen von Reisenden, Veranstaltern und Reisebüros an Fluggesellschaften in finanziell schwierigen Zeiten absichern. In der Konsequenz bleibt der Touristikbranche schlichtweg nichts anderes übrig, als sich von angeschlagenen Carriern schnellstmöglich abzuwenden, um den eigenen finanziellen Schaden zu begrenzen.“

Der asr fordert die Politik in Brüssel und in Berlin daher erneut auf, entsprechende Absicherungssysteme – wie sie für Veranstalter schon seit Jahrzehnten gelten – nun unverzüglich endlich auch für Fluggesellschaften einzuführen.

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