Polen rechnet für 2017 mit einem Rekordergebnis bei der Zahl ausländischer
Touristen. Nach Berechnungen des Polnischen Ministeriums für Sport und Touristik betrug der Zuwachs im ersten Halbjahr rund 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Rechnet man diese Steigerung auf das gesamte Jahr hoch, dürften sich die Touristenzahlen gegenüber 2016 von 17,5 auf etwa 18,3 Millionen erhöht haben.
Vor der weltgrößten Tourismusmesse ITB Berlin zeigte sich der neue Präsident der Polnischen Tourismusorganisation, Robert Andrzejczyk, sehr erfreut über diese Entwicklung.

Breslau als Europäische Kulturhauptstadt zählte 2016 mehr als fünf Millionen Besucher, darunter etwa 1,4 Millionen aus dem Ausland.


Bei den chinesischen Gästen verzeichnet Polen das größte prozentuale Wachstum. Im ersten Halbjahr 2017 wuchs ihre Zahl um fast 36 Prozent. Immer mehr Chinesen nutzten Warschau als Ausgangs- und Endpunkt ihrer Europa-Reise, erläutert Robert Andrzejczyk. Die polnische Fluglinie LOT fliegt mehrmals pro Woche von dort nach Peking. Während der Anteil der Chinesen noch deutlich unter einem Prozent liegt, kommen mehr als ein Drittel aller ausländischen Touristen aus Deutschland und insgesamt rund drei Viertel aus den Ländern der Europäischen Union.

„Das sind unsere wichtigsten Märkte, und hier haben wir auch noch ein großes Entwicklungspotenzial“, betonte der Präsident. Bei den deutschen Gästen wurde das bisherige Rekordergebnis von 2016 in 2017 noch einmal übertroffen. Für das erste Halbjahr 2017 errechnete das Ministerium für Sport und Touristik ein Wachstum von rund 3,7 Prozent. Bezogen auf das ganze Jahr ist mit einer Zunahme der Zahl der deutschen Touristen von etwa 6,3 auf 6,5 Millionen zu rechnen.

Die Weberhäuser, die Gerhart Hauptmann zum Thema seines Romans „Die Weber“ machte, sind oft Anziehungspunkt


In der jüngsten Reiseanalyse der Forschungsgruppe Urlaub und Reisen für 2018 rückte Polen auf Platz 7 bei den beliebtesten Auslandszielen der Deutschen vor. Erfasst werden dabei Urlaubsreisen ab fünf Tagen Länge. Mit einem Anteil von 2,8 Prozent schob sich Polen vor Frankreich und die Niederlande. In der Reiseanalyse 2017 lag Polen noch hinter diesen beiden Zielen auf Platz 9 mit einem Anteil von zwei Prozent.

Der Tourismus sei „eine der sich am dynamischsten entwickelnden Wirtschafts-Bereiche in Polen“, erläuterte Andrzejczyk. Das habe auch die polnische Regierung erkannt, die in die weitere Förderung des Tourismus investiere und für dieses Jahr das Budget der Polnischen Tourismusorganisation um rund 23 Prozent erhöht habe. Rund 88 Prozent des Marketingbudgets würden für Aktivitäten im Ausland verwendet. Derzeit verfügt die Polnische Tourismusorganisation über 14 Auslandsvertretungen, darunter eine in Berlin.

Gern wird auch die Wallfahrtskirche Tschenstochau aufgesucht


Im Marketing will der Chef der Tourismusorganisation künftig noch stärker auf das Internet und die sozialen Medien setzen. So sei bereits auf Initiative des Ministeriums für Sport und Tourismus eine Einladung an wichtige YouTuber nach Polen erfolgt. Eine bessere Förderung des Tourismus erhofft er sich zudem durch eine engere Zusammenarbeit mit anderen polnischen Organisationen im Ausland, zum Beispiel den Polnischen Instituten. Im Ausland lebende Polen und in Polen lebende Ausländer möchte Andrzejczyk zu Botschaftern für das Reiseland Polen machen. Präsentieren möchte er Polen in der Welt als modernes, offenes, sicheres und gastfreundliches Land.

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Die wachsenden Gästezahlen in Polen führen zu einem anhaltenden Aufschwung auf dem Hotelmarkt. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der Hotels fast verdreifacht. In den großen Städten und den bekannten Ferienzentren sind zahlreiche weitere Hotels im Bau. Dabei engagieren sich neben polnischen Unternehmen auch zahlreiche bekannte Hotelketten wie Hilton, Marriott und Sheraton. Ein besonderes Aushängeschild wird das Warschauer Traditionshaus Europejski, das nach jahrelangem Umbau im
April als erstes Hotel der Luxuskette Raffles in Polen wiedereröffnet wird und einen 5-Sterne-Plus-Komfort verspricht.

Der wachsende Besucherstrom zeigt sich auch auf den Flughäfen des Landes. Mit mehr als 40 Millionen Fluggästen verzeichneten diese in 2017 ein Wachstum von rund 17 Prozent. Auf dem größten Flughafen des Landes wuchs die Zahl der Passagiere sogar um fast 23 Prozent auf mehr als 15,7 Millionen. Viele Airports haben ihre Kapazitäten in den vergangenen Jahren deutlich erweitert. Auch das Flugangebot zwischen Deutschland und Polen wächst. Die polnische Fluglinie LOT baut ihr Angebot in diesem Jahr weiter aus und bietet unter anderem neue Verbindungen von Nürnberg und Hannover nach Warschau. Zur Sommersaison wird es darüber hinaus neue Linienverbindungen von Dortmund und Köln nach Masuren geben.

Das Prachtstück Breslaus ist der „Ring“ mit Marktplatz, unzerstört gebliebenem gotischen Rathaus, bunten Bürgerhäusern und barocken Fassaden. Vor dem Rathaus der Pranger, Treffpunkt für Jung und Alt.


Weiteres Potenzial für sein Land sieht Robert Andrzejczyk vor allem im Wasser- und
Radtourismus sowie bei Kultur- und Städtereisen. So entstehen derzeit in vielen
Regionen neue Radwege und Marinas. Chancen erhofft er sich zudem auf dem Gebiet des Medizintourismus. So will sich sein Land in diesem Jahr erstmals an einer Medizinmesse in den Vereinigten Arabischen Emiraten beteiligen. Auf der diesjährigen ITB Berlin warb Polen insbesondere für seine touristischen Angebote auf und an dem Wasser. Ein weiterer Schwerpunkt ist auch dort der Gesundheits- und Medizintourismus. Ein Thema ist darüber hinaus der 100. Jahrestag der Wiedererlangung der staatlichen Unabhängigkeit Polens nach dem Ersten Weltkrieg.
Aus diesem Anlass finden zahlreiche Veranstaltungen und Ausstellungen im ganzen
Land statt. Das Jubiläum sei eine hervorragende Gelegenheit, Polen und seine
touristischen Werte in der ganzen Welt vorzustellen, so Andrzejczyk.
Fotos Elke Backert

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