Manfred Weghenkel
Gerade noch der lebhafte, lärmige Berliner Ku’damm, und nun die am Hardrock Cafe davon abgehende eher ruhige Meinekestraße. Glücklicherweise ist dieses Wohngebiet im Krieg nahezu unversehrt geblieben, so dass sich hier stattliche alte Bürgerhäuser aus der Gründerzeit aneinander reihen und das Auge erfreuen.
Betritt man das Gebäude Nr. 9 mit der Leuchtschrift “Hotel HENRI” – ein um 1900 errichteter, natürlich längst mehrfach modernisierter Historismusbau – wird es noch stiller und angenehmer. Erster Eindruck: gemütlich wie in einer schönen Villa oder in einem prächtigen Herrenhaus. “Ein Rückzugsort im Hauptstadt-Dschungel”, so der im Prospekt formulierte Anspruch der “Henri Hotels”, die eine eigene Produktmarke der Deutschen Hotel & Resort Holding mit Sitz in Rostock und Hamburg sind. Zu dieser Kette gehören z. B. auch das an der Hamburger Elbchaussee gelegene traditionsreiche 5-Sterne-Haus Louis C. Jacob und das renommierte Luxus-Hotel Neptun in Rostock-Warnemünde.

Nahe des Kurfürstendamm in ruhiger exclusiver Gegend

Erstes Henri-Hotel war das 2013 in der Hamburger Innenstadt in einem umgebauten früheren Kontorhaus befindliche “Hotel HENRI – Hamburg Downtown” (4 Sterne). Vom dortigen Erfolg beflügelt, sind die Henri- Hotels nun dabei, das auf Louis C. Jacob zurückgehende Firmencredo “Zeitgemäße hanseatische Gelassenheit” auch in die deutsche Metropole zu übertragen. Am 1. April 2016 wurde das damalige Hotel Residenz in der Meinekestraße übernommen, rasch und ideenreich umgestaltet und am 1. August als “Hotel HENRI Berlin Kurfürstendamm” eröffnet.

Der bei den Gästen beliebte Rote Salon


Hauptstädtische Tourismus- und Gastronomiejournalisten trafen sich nun ebenda zu ihrem traditionellen, von Udo Rößling verdienstvoll begründeten und organisierten Berliner Hotelstammtisch. Meinekestraße Nr. 9 also: ein paar Treppenstufen nach oben – die Rezeption ist erreicht. Ehe die Formalitäten kommen, möchte man sich lieber erst einmal umschauen. Auf umlaufenden Wandborden stehen wunderschöne Porzellanteller und -vasen; einige davon stammen sogar aus dem alten China. Links eine barocke Wanduhr von 1770. In der Lobby nebenan hängen viele schöne Gemälde. Der junge, ideenreiche Geschäftsführer der Henri-Hotels Eckart Buss ist zu Recht stolz darauf; er hat die Kostbarkeiten zur Freude der Gäste persönlich von Floh- und Antikemärkten zusammengetragen. Auch sonst hat er das einzigartige nostalgische Ambiente des Hauses mit dem “modern traveller standard” als Spiritus Rector ganz wesentlich mitbestimmt. Sein Anliegen: “Bei Henri soll man Gastfreundschaft erleben wie man sie sonst nur von Familienbetrieben kennt. Ein kleines motiviertes Team nimmt jeden Gast auf wie einen Freund der Familie.”

Der Empfang, der erste Kontakt mit den Gästen

Was hat es eigentlich mit dem Hotelnamen HENRI auf sich? Nun ja, es ist ein mit der Geschichte der Hamburger Hoteliers-Familie Jacob, abgeleitet von Heinrich Jacob, verbundener Phantasiename, der für den Geist des Hauses steht. “Wäre Henri ein Mensch, so würde man sich in seiner Gegenwart sofort wohl fühlen und sich fragen, ob man ihn nicht irgendwo schon einmal gesehen hat.” So steht es im Prospekt, der den ankommenden Gast mit: “Ein großes, herzliches Hallo in schönstem Ambiente…Willkommen bei Henri.” umschmeichelt.

Die gemütliche Bar direkt am Empfang


Nach dieser charmant-gewinnenden Begrüßung ist es nun soweit, das insbesondere für Touristen und Geschäftsleute gedachte “Heim auf Zeit” etwas näher kennen zu lernen. Begeben wir uns – nein, nicht mit dem imaginären Henri, sondern mit dem quicklebendigen Hotelier Eckart Buss auf einen kleinen Rundgang, wobei das Wort “klein” relativ zu sehen ist. Denn das Altberliner Gebäude aus der Zeit um die Jahrhundertwende, ursprünglich ein Wohnhaus, hat immerhin eine Tiefe von 50 Metern und viele Zick-Zack-Gänge. “Man mäandert sich so durch”, witzelt der Manager ganz treffend. Zudem erstreckt sich ja das Haus über mehrere Etagen.

Der Blaue Salon lädt zum Verweilen ein


Den gründerzeitlichen Charme des traditionsreichen Hotelgebäudes unterstreicht das individuelle Henri-Innendesign: Stilsicher hat Architekt Marc-Ludolf von Schmarsow den Historismus der Belle Époque in die Jetztzeit übertragen und damit überraschende Akzente gesetzt. Den Gästen werden drei verschiedene Zimmerkategorien zur Auswahl angeboten: von den gemütlich-kompakten „Kabinett“-Zimmern (14 bis 17 qm), über die klassisch-komfortablen „Les chambres“ (17 bis 22 qm) bis hin zu den exquisit-geräumigen „Salon“-Zimmern (24 bis 34 qm). Die Journalisten schauen sich bereits umgestaltete Chambres-Zimmer an: Betten neu, Fußboden (Parkett) neu, fast 4 Meter hohe Decken mit Originalstuck, dazu etliche Antiquitäten, erworben von einem Händler bei Hamburg. Praktisches Zubehör: Wasserkocher, Kaffeemaschine, Minibar.
Zu den prächtigen Salon-Zimmern, die besichtigt werden, gehört z. B. eines mit Balkon zur Meinekestraße und mit einem Frauenporträt von 1880 in voluminösem Goldrahmen. Ein anderes – ausgestattet mit Schreibtisch, Couch und Sitzecke – besticht optisch durch eine wunderbare Pfauenmustertapete. Bis Ende 2017 sollen sich alle Zimmer auf dem neuen Henri-Standard befinden.

Kern eines jeden Henri-Hotels, so auch in Berlin, ist die rustikale Hausküche, in der nicht nur das Frühstücksbuffet aufgebaut wird, sondern auch rund um die Uhr Getränke und Snacks in Kühlschränken zur Selbstbedienung bereit stehen. Zwischen 19 und 21 Uhr können sich Hotelgäste kostenfrei einen kleinen Abendimbiss nehmen. Sehr großzügig und doch gemütlich der öffentliche Bereich: Zum Speisen, auf einen Drink und zum geselligen Plaudern stehen den Bewohnern im Erdgeschoß der Rote Salon, der Blaue Salon und das Damenzimmer (“die gute Stube für den ganzen Tag”) mit dem dekorativen großen Samowar zur Verfügung. Auf ein Restaurant wurde ausdrücklich verzichtet. Ebenso auf Fitness- und Wellnessangebote. Für Raucher interessant: im Basement des Nichtraucher-Hauses befindet sich eine anspruchsvolle Raucherlounge.

Ein anderer Blick in den Blauen Salon


Übrigens, die Henri-Hotels expandieren weiter. Bis 2018 soll auch in zentraler Lage der Rheinmetropole Düsseldorf ein typisches HENRI entstehen. Das Design steht dort ganz im Zeichen klassisch-moderner Stadtarchitektur. Ein ehemaliges Büro-Hochhaus wird im Stile seiner Bauzeit, der 60er/70er Jahre, umgestaltet und aufgefrischt. Trotz des unterschiedlichen Looks ähnelt das Zimmer-Konzept dem im Hamburger HENRI mit wohnlichen Studios in verschiedenen Größen.

Das Hotel auf einen Blick
Kapazität: zur Zeit 68 Zimmer in 3 Kategorien und 9 Apartments zur Langzeitmiete. Im fertig umgebauten Hotel wird es gegen Ende dieses Jahres noch 5 Zimmer mehr geben. Bereits fertig modernisiert sind 24 Zimmer. Momentan werden weitere 24 Zimmer umgebaut (12 Chambres und 12 Kabinettzimmer). Die dritte Bauphase folgt ab Mitte März 2017
Öffentliche Bereiche: Roter Salon, Blauer Salon und Damenzimmer
Private and Business Packages, z. B. Winter Shopping Special, 100 Tage Berlin Special und Corporate Special
Internet: kostenfreies WLAN im gesamten Haus
Parken: keine eigenen Plätze; öffentliches Parkhaus gegenüber
Fotos: Udo Rößling

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