Von Bernd Stößel

Als „Wiege Chinas“ gilt die Provinz Henan, in der östlichen Mitte des Landes gelegen. Mehr als 200 Kaiser aus über 20 Dynastien herrschten seit dem 21. Jahrhundert vor Christus von Henan aus. Auf einer Präsentation der Provinz in Frankfurt in Anwesenheit der stellvertretenden Ministerpräsidentin Yufang Kong wurde deutlich, dass die Gunst der Stunde genutzt werden soll: Bereits rund 33 Mio. Besucher sind seit dem 1. Mai zur Expo 2010 nach Shanghai geströmt, deren Tore noch bis zum 31. Oktober geöffnet sind.

Henan zählte 2009 zwar 230 Mio. Besucher – weniger als 1% hiervon aber waren Ausländer. Von der Fläche her etwa halb so groß wie Deutschland, ist es mit rund 100 Mio. Einwohnern die bevölkerungsreichste Provinz Chinas. Für den Ausbau des internationalen Tourismus steht eine hervorragende Infrastruktur zur Verfügung. Die drei Flughäfen in Zhengzhou, Luoyang und Nanyang haben wöchentlich ein Aufkommen von mehr als 800 Flügen. Deutsche Touristen reisen am besten von Peking aus mit dem Hochgeschwindigkeitszug an – die Fahrt dauert nur drei Stunden. Henan verfügt außerdem über ein sehr gut ausgebautes Autobahnnetz.

Schnell zugehen soll es auch in den chinesischen Konsulaten in Deutschland, was die Ausstellung der Visa betrifft, so war in Frankfurt zu hören. Touristen finden in Henan 532 Sternehotels vor, davon zehn der Fünf-Sterne-Kategorie. Eine reizvolle Reiseroute ist jene entlang des Gelben Flusses, des viertlängsten der Erde und des zweitlängsten Chinas. Die bekannteste Sehenswürdigkeit Henans dürfte der Shaolin-Tempel am Berg Songshan sein. Hier entstand die berühmte Kampfkunst der Mönche. Als Wladimir Putin noch russischer Präsident war, stattete der prominente Freund der Körperertüchtigung dem Tempel einen Besuch ab. Henan ist übrigens auch die Heimat des im Westen immer populäreren Tai Chi.

Als UNESCO-Weltkulturerbe warten die Longmen-Grotten bei Luoyang mit mehr als 100.000 Buddhastatuen auf – von 17 Meter Länge bis zur Zwei-Zentimeter-Miniatur. Neben den zahlreichen Kulturdenkmälern hat Henan viel Natur zu bieten. Rund um den Yuntai-Berg im nördlichen Teil der Provinz führen auch auf Englisch ausgeschilderte Wanderwege vorbei an Wasserfällen und Seen. Der Nationalpark ist übrigens als Schutzgebiet für Rhesusaffen bekannt.

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